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Bürgerschaft 2020: Was Sie über die Hamburg-Wahl wissen müssen

Unvermittelt ist die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft durch die Thüringen-Krise zum Test für die politische Stimmung im Land geworden. Die rot-grüne Regierung in der Hansestadt hat kaum etwas zu befürchten. Die wichtigsten Fakten.

Spitzenkandidaten zur Bürgerschaftswahl: TV-Duell: Hier streiten Tschentscher und Fegebank über Hamburgs Zukunft

Hamburg wählt an diesem Sonntag eine neue Bürgerschaft. Was für viele eine Wahl mit weitgehend regionaler Bedeutung war, ist angesichts der Thüringen-Krise und des Richtungsstreits in der CDU nach dem Verzicht von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer zum politischen Stimmungstest geworden.

Das müssen Sie über die Hamburg-Wahl wissen:

Ausgangslage 

Seit 2015 regieren SPD und Grüne in einer Koalition. Bürgermeister ist seit dem Abschied von Olaf Scholz (SPD) im Frühjahr 2018 Peter Tschentscher (SPD). Es ist die derzeit einzige rot-grüne Landesregierung in Deutschland.

Umfrage

Vor der Bürgerschaftswahl am Sonntag in Hamburg liegt die SPD einer Umfrage zufolge weiter deutlich vor den Grünen. Zudem ergab ein am Donnerstag veröffentlichtes ZDF-Politbarometer "Extra", dass die CDU bei der Abstimmung auf ein Rekordtief fallen könnte. Die FDP muss demnach um den Einzug ins Parlament bangen. Der Projektion zufolge kämen die Sozialdemokraten auf 39 Prozent, die CDU auf 12, die Grünen auf 24, die Linke auf 8,5 sowie die FDP auf 5 und die AfD auf 6 Prozent.

Wahl 2015

Die SPD gewann die Bürgerschaftswahl 2015 klar, doch für eine absolute Mehrheit reichte es nicht mehr. Die Sozialdemokraten kamen auf 45,6 Prozent der Stimmen, die CDU auf 15,9 Prozent. Die Grünen erhielten 12,3 Prozent, die Linken 8,5 Prozent. Die FDP erreichte 7,4 Prozent, die AfD 6,1 Prozent.

Wahlrecht

Jeder Wähler hat fünf Stimmen für die Landes- und fünf für die Wahlkreisliste.

Wahlberechtigte

Rund 1,32 Millionen Menschen sind wahlberechtigt. Gut 27 100 Wahlberechtigte sind 16 oder 17 Jahre alt.

Wahlkampfthemen

Lange bestimmten die Themen bezahlbare Mieten, Klimaschutz und Verkehr den Wahlkampf. Auf den letzten Metern dann schlug eine eigentlich alte Geschichte hohe Wellen. Medien hatten über angeblich nicht eingeforderte Steuerrückforderungen gegenüber der im "Cum-Ex"-Skandal unter Verdacht stehenden Warburg Bank berichtet. Bürgermeister Tschentscher wies den Vorwurf der politischen Einflussnahme zurück.

Bürgerschaft

Das Landesparlament hat regulär 121 Sitze. Die Zahl der Mandate kann durch Überhang- und Ausgleichsmandate sowie erfolgreiche Einzelbewerber steigen. 2015 erhielt die SPD 58 Sitze, 15 Sitze gingen an die Grünen. Die CDU kam auf 20 Sitze. Die Linken erreichten 11 Sitze. Die FDP bekam 9 Sitze. Neu im Parlament war die rechtskonservative AfD mit 8 Sitzen.

Bürgermeister- und Spitzenkandidaten

Bürgermeister Tschentscher soll die SPD auch in der nächsten Legislatur zur Regierung führen. Bei den Grünen tritt Katharina Fegebank als Bürgermeisterkandidatin an - eine Kampfansage an den Koalitionspartner SPD. Der Altonaer Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg führt die Hamburger CDU als Spitzenkandidat, Anna von Treuenfels-Frowein die FDP, Cansu Özdemir die Linken. Die AfD bietet ihren Landeschef Dirk Nockemann auf.

Bewerber

Auf der Landesliste stehen 15 Parteien, 348 Kandidatinnen und Kandidaten treten dort an. 564 Bewerber stehen auf den Wahlkreislisten. 179 Personen stehen sowohl auf einer Landes- als auch auf einer Wahlkreisliste.

Wahlkreise

Ws gibt es insgesamt 17 Wahlkreise. Der größte Wahlkreis ist Altona mit fast 99 000 Wahlberechtigten. Im kleinsten, Süderelbe, sind es knapp 52 000 Bürger.

Wahlalter

 Das Wahlalter liegt bei 16 Jahren. Ein Kandidat aber muss schon 18 Jahre alt sein.

Wahllokale

Die 1283 Wahllokale haben zehn Stunden geöffnet.

Wahlergebnis 

Auf das vorläufige amtliche Ergebnis wird man bis Montagabend warten müssen. Denn nach Schließung der Wahllokale werden zunächst nur die Stimmen für die Parteien auf den Landesstimmzetteln ausgezählt, so dass am späten Sonntagabend nur die voraussichtliche Verteilung der 121 Bürgerschaftssitze auf die Parteien feststehen wird. Wie sich diese Stimmen auf die einzelnen Kandidaten der Landeslisten verteilen, wird bei einer erneuten Auszählung der Landesstimmzettel ermittelt, die zusammen mit der der Wahlkreisstimmzettel am Montagmorgen beginnt. Erst wenn das erfolgt ist, wird feststehen, welcher Kandidat in die Bürgerschaft einzieht und ob es bei den 121 Sitzen bleibt oder noch Überhang- und Ausgleichsmandate hinzukommen.

dho / DPA