Meinung
Wenn Männer menstruieren würden, wären Tampons längst kostenlos

Tampons
© Yulia Reznikov / Getty Images

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An französischen Hochschulen gibt es kostenlose Tampons. Nun soll es für junge Französinnen auch wiederverwendbare Periodenartikel geben. Warum sind wir noch nicht so weit?

Menstruationstassen und Periodenslips werden in Frankreich für junge Frauen unter 26 Jahren kostenlos erhältlich sein, wie der stern berichtet. Das entsprechende Gesetz dazu wurde bereits 2023 verabschiedet – und wird jetzt umgesetzt. Wir, auf der anderen Seite des Rheins, sollten uns daran ein Beispiel nehmen. Doch hier wurde gerade mal die Mehrwertsteuer auf Periodenartikel von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Was kein Entgegenkommen ist, sondern eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Periodenartikel gehören eindeutig zum Grundbedarf und sind genauso essenziell wie Klopapier und Lebensmittel.

In Schottland haben alle Zugang zu kostenfreien Periodenartikeln

Frankreich ist europaweit das zweite Land mit einer solchen Regelung. Schottland führte 2022 ein, dass Periodenprodukte in Bildungseinrichtungen und städtischen Einrichtungen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden müssen. Das ist ein wichtiger Schritt gegen die sogenannte Periodenarmut. 

Laut Erhebungen muss jede zehnte Frau aufgrund ihrer finanziellen Lage auf Toilettenpapier oder Stoffreste ausweichen, weil das Geld nicht für Binden, Tampons oder Tassen reicht. Das kann erhebliche Risiken bergen, denn unhygienische Alternativen können das Risiko für Infektionen und gesundheitliche Probleme erhöhen. 

Periodenarmut ist ein gesamtgesellschaftliches Problem

In Deutschland geben Menstruierende laut Plan International im Jahr durchschnittlich zwischen 550 und 650 Euro für Periodenprodukte aus. Doch Studien zufolge sind rund ein Viertel der Mädchen und Frauen von Periodenarmut betroffen, besonders Menschen mit geringem Einkommen, obdachlose Frauen, Geflüchtete und Migrantinnen. Periodenprodukte sollten deshalb auch hierzulande kostenlos in öffentlichen Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten, in Notunterkünften, Jugendzentren und in jeder Apotheke zur Verfügung stehen. 

Denn die Bekämpfung von Periodenarmut ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zwar gibt es ehrenamtliche Organisationen, die Tampons in Schulen und Universitäten auslegen – der Zugang zu Hygieneprodukten und Sanitäranlagen sollte aber endlich ein Grundrecht werden. Denn zu bluten ist kein Luxus, den man sich leisten können muss. 

Wenn Männer menstruieren würden, müssten wir darüber gar nicht sprechen

Auf Social Media finden sich zahlreiche Kommentare von empörten Männern, die sich über eine große Ungerechtigkeit beklagen: Wenn Tampons in Schulen kostenlos sind, müssten doch auch Rasierklingen für Männer kostenfrei sein? Nein, lieber Franz, denn während ein Dreitagebart eine Frage des Stils ist, kann fehlender Zugang zu Periodenprodukten für Frauen zu echter Scham, gesundheitlichen Risiken und sozialer Ausgrenzung führen. 

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Tampons und Co. war ein wichtiger Schritt, darf aber auf keinen Fall der einzige bleiben. Das Thema Periode betrifft weltweit die Hälfte der Bevölkerung – und wird trotzdem von der Politik seit Jahren konsequent ignoriert. Wenn die deutsche Regierung hier dem französischen und schottischen Vorbild folgen würde, wäre das ein klares Zeichen: Wir denken auch unsere Bürgerinnen mit!