Aufgrund der Nachrüstung eines Sicherheitssystems im Schweizer Atomkraftwerk Gösgen darf die Anlage wieder hochfahren. Nach zehnmonatigem Stillstand des Kraftwerks nahe der deutschen Grenze gab die Schweizer Nuklearsicherheitsbehörde ENSI die Freigabe für den Betrieb bekannt.
Das Kernkraftwerk war im Mai planmäßig für die jährlichen Revisionsarbeiten vom Netz genommen worden. Die Betriebsunterbrechung wurde jedoch verlängert, nachdem der Betreiber mit neuen Berechnungsmethoden eine mögliche Schwachstelle im Wassersystem des Reaktors identifiziert hatte.
Danach wurden neue Ventile eingebaut. Sie sollen eine Gefährdung des Reaktor-Kühlsystems verhindern, falls es zu einem Wasserleitungsbruch kommt. Dieses Szenario sei zwar sehr unwahrscheinlich, müsse aber berücksichtigt werden, wie Ralph Schulz von der ENSI-Geschäftsleitung erklärte.
Das in den 1970er Jahren gebaute Kraftwerk liegt etwa 20 Kilometer südlich der Grenzstadt Bad Säckingen in Baden-Württemberg. Das AKW produziert nach Angaben des Betreibers rund 13 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs.
Atomkraft-Debatte in der Schweiz - Ausstieg vom Ausstieg?
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass der lange Ausfall von Gösgen dank des Ausbaus von erneuerbaren Energien keinen Engpass ausgelöst habe. Atomenergie sei keine Garantie für eine sichere Stromversorgung, argumentierte Greenpeace.
Die Schweiz hat 2011 einen Atomausstieg beschlossen, doch dürfen bestehende Anlagen so lange laufen, wie sie sicher sind. Die Regierung hat aber vorgeschlagen, das Verbot für neue AKW aufzuheben. Voraussichtlich werden die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer Volksabstimmung das letzte Wort haben, wie die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete.