Prozess Nach Feuertod von Patient – Arzt weist Verantwortung zurück

Im Prozess um einen tödlichen Brand weist ein Arzt die Verwantwortung zurück. Foto: Uli Deck/dpa
Im Prozess um einen tödlichen Brand weist ein Arzt die Verwantwortung zurück. Foto
© Uli Deck/dpa
Er lag alleine und gefesselt in einem Klinikzimmer. Um sich zu befreien, will der Patient die Gurte mit seinem Feuerzeug lösen - und verbrennt. Durfte er überhaupt fixiert werden?

Im Prozess gegen zwei Ärzte und zwei Pflegekräfte, in deren Obhut ein fixierter Patient im Krankenhaus verbrannte, hat einer der Ärzte zum Verhandlungsauftakt jegliche Verantwortung von sich gewiesen. Er habe die Fixierung nicht angeordnet und davon auch keine Kenntnis gehabt, ließ er über seinen Verteidiger vor dem Landgericht Karlsruhe mitteilen.

Ihm wird Freiheitsberaubung mit Todesfolge vorgeworfen, die anderen drei Angeklagten stehen wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Auch sie wollten sich schriftlich zu den Vorwürfen äußern - allerdings zu einem späteren Zeitpunkt. 

Der 58 Jahre alte Patient war in einer Pforzheimer Klinik im Mai 2023 mit Gurten auf einer Liege gefesselt verbrannt. Er hatte versucht, die Gurte mit einem Feuerzeug zu lösen, das er dabeihatte. Matratze und Kleidung fingen Feuer, der 58-Jährige verbrannte binnen Minuten.

Fixierung wegen Trunkenheit und Aggressionen

Zuvor war er nach einem Sturz mit einer Platzwunde in die Notaufnahme des Krankenhauses eingeliefert worden. Da er betrunken war und sich aggressiv verhielt, war er fixiert worden. Das ist über einen längeren Zeitraum hinweg nur mit richterlicher Genehmigung erlaubt. Diese gab es laut Anklage nicht.

Außerdem war der hilflose Mann nicht wie vorgeschrieben im Rahmen einer eins zu eins Betreuung überwacht worden. Stattdessen blieb er stundenlang unbeaufsichtigt.

Für den Prozess mit insgesamt neun Verhandlungstagen sind neun Zeugen und vier Sachverständige und auch ein Gutachter geladen. Ein Urteil könnte am 19. März fallen.

dpa