Einige Betriebe ernten schon den ersten Spargel in Bayern. So richtig geht die Saison aber erst im April los. Für eine Prognose, wie sich die Ernte in diesem Jahr entwickeln werde, sei es noch zu früh, sagt Claudia Westner vom Spargelerzeugerverband Südbayern. Ihre Kollegin aus Franken, Miriam Adel, erwartet eine durchschnittliche bis gute Saison - wenn das Wetter weiter mitspiele, betont sie.
Was braucht der Spargel, um gut wachsen zu können?
Dass es über den Winter ausreichend Niederschläge gegeben habe, sei schon mal eine gute Voraussetzung, sagt Miriam Adel, Vorsitzende des Spargel-Erzeugerverbandes Franken. "Der Hauptfaktor ist aber das Wetter von April bis Juni. Es darf nicht zu heiß sein, aber auch nicht zu kalt."
Noch wichtiger als Wärme, ist nach Angaben von Claudia Westner aktuell, dass die Sonne viel scheint. "Am Anfang der Saison ist Sonnenschein entscheidend, damit sich die Dämme erwärmen." Der Spargel wächst laut Adel in 40 Zentimeter hohen Dämmen. Auf etwa 12 Grad müsse sich der Boden erwärmen, damit der Spargel gut gedeihe.
Wie entwickelt sich der Spargelanbau in Bayern?
In Bayern wurde dem Landesamt für Statistik zufolge im vergangenen Jahr auf 3.292 Hektar Spargel angebaut. Damit ist die Fläche seit 2018 kontinuierlich zurückgegangen. Die Erntemenge lag bei gut 20.700 Tonnen und damit seit langer Zeit erstmals wieder höher als in den Vorjahren. Zum Vergleich: 2018 hatte die Erntemenge noch bei fast 23.400 Tonnen gelegen und war seitdem immer weiter gesunken.
Das größte zusammenhängende Anbaugebiet liegt in Oberbayern und Schwaben, vor allem rund um Schrobenhausen. Dort erzeugen laut Westner 48 Betriebe auf 680 Hektar den "Schrobenhausener Spargel", der als geschützte geografische Angabe eingetragen ist. Weitere wichtige Anbaugebiete im Freistaat sind Franken sowie die Region rund um Abensberg und Straubing in Niederbayern.
Wer erntet den Spargel?
Für eine gute Ernte sei nicht nur das Wetter wichtig, sondern auch die Zahl der Saisonarbeitskräfte, erläutert Westner. "Es ist immer schwieriger geworden gute Leute zu bekommen und diese die ganze Saison zu halten." Vor allem kleinere Betriebe hätten deshalb in der Vergangenheit aufgegeben.
Zwar gebe es erste Versuche mit Erntemaschinen, sagt die Expertin. Doch das Problem sei, dass diese alles abernteten - lange und kurze Spargelstangen. Maschinen, die selektieren könnten, seien dagegen noch nicht serienreif und könnten auch nicht auf so großen Flächen eingesetzt werden.
Wie steht es um die Konkurrenz?
Zu schaffen macht den bayerischen Spargelerzeugern auch die Konkurrenz aus dem Ausland wie Spanien und Griechenland, wie Adel ergänzt. "Diese können günstiger anbauen und günstiger verkaufen." Wegen der Inflation schauten viele Verbraucherinnen und Verbraucher aber verstärkt auf den Preis.
Dabei spielt auch der Mindestlohn eine Rolle. Erst vor wenigen Tagen hat ein Verbändebündnis aus dem Agrarbereich gefordert, ihn im Bereich der Saisonarbeitskräfte aufzuweichen und eine Unterschreitung von 20 Prozent zu ermöglichen. Die Suche nach den von Westner angesprochenen "guten Leuten" dürfte das aber eher schwieriger machen. In der Regel kommen die Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa. Die Arbeit gilt als sehr anstrengend.
Was mögen die Verbraucher?
Der recht mild schmeckende weiße Spargel kommt in Bayern bevorzugt auf den Tisch. Der aromatischere grüne Spargel macht Adel zufolge etwa nur zehn Prozent aus. "Wir merken aber, dass er zunehmend im Trend liegt und mehr nachgefragt wird." Insbesondere junge Leute greifen verstärkt zu grünem Spargel - der Grund dafür ist nach Ansicht von Adel, dass in den sozialen Medien viele Gerichte mit grünem Spargel zu finden sind, die die Jüngeren nachkochen wollen.
Wann ist eine Saison für die Spargelbauern gut?
Was für den Spargel gut ist, ist nicht automatisch für die Spargelbauern gut. Wird es zu schnell warm, beschleunigt das zwar das Wachstum der Pflanzen, das kann aber zu einer Überproduktion und damit fallenden Preisen führen. Zu kalt oder zu trocken darf es aber auch nicht sein. Aus Sicht der Pflanzer sind daher wettertechnisch mittlere Jahre am besten, in denen genug Spargel geerntet werden kann, um den Bedarf zu bedienen, ohne dass die Preise verfallen.
Warum ist es an Johanni schon wieder vorbei?
Traditionell endet die Saison am 24. Juni, dem Johanni- oder Johannistag. Manche Felder werden aber schon früher stillgelegt und manche Landwirte gehen über das Datum hinaus. Dabei wachsen die Pflanzen auch danach weiter. Doch während der Erntezeit werden den Spargelpflanzen die jungen Triebe abgeschnitten. Damit sie im nächsten Jahr wieder genug Energie haben, um diese Triebe zu bilden, werden sie den Rest des Jahres in Ruhe gelassen und dürfen wachsen.
Spargel-Erzeugerverband Franken Spargelerzeugerverband Schrobenhausen