Ludwig-Erhard-Gipfel
Brosius-Gersdorf: Frauenfeindlichkeit verhinderte Wahl

Im Rückblick ist sich Frauke Brosius-Gersdorf sicher: Mit einemMann wäre in der gleichen Situation wie ihr bei der gescheiterten
Im Rückblick ist sich Frauke Brosius-Gersdorf sicher: Mit einemMann wäre in der gleichen Situation wie ihr bei der gescheiterten Richterwahl anders umgegangen worden. (Archivbild) Foto
© Britta Pedersen/dpa

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2025 stand die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf vor der Wahl zur Richterin am Bundesverfassungsgericht. Doch dann kam alles anders. Rückblickend fällt ihr Fazit zu den Gründen klar und deutlich aus.

Frauenfeindlichkeit hat nach Ansicht der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf dazu beigetragen, dass ihre Wahl zur Verfassungsrichterin gescheitert ist. "Jetzt mit ein bisschen Abstand und so im Rückblick würde ich sagen, da war schon Frauenfeindlichkeit dabei. Auch ein ganzes Stück Frauenfeindlichkeit. Da muss man nicht nur in die sozialen Medien schauen, wo bis zum heutigen Tag Hass und Hetze im Zusammenhang mit der Richterwahl verbreitet wird und das oft sexistisch frauenfeindlich unterlegt wird", sagte sie beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group am Tegernsee.

Brosius-Gersdorf ist seit Oktober 2021 Inhaberin des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam. Im Juli 2025 sollte sie auf Vorschlag der SPD zur Richterin des Bundesverfassungsgerichts gewählt werden. Wegen Vorbehalten aus der Union gegen sie wurde die Wahl abgesagt. Im August zog sie schließlich ihre Kandidatur zurück.

Ein Mann wäre anders behandelt worden

Brosius-Gersdorf betonte, sie sei in der Debatte anders behandelt worden, als es bei einem Mann der Fall gewesen wäre: "Was mich eigentlich im Nachhinein am meisten gestört und verstört hat, ist, dass mir von Medien, aber auch aus Reihen der Politik vorgeworfen wurde, dass ich überhaupt öffentlich aufgetreten sei als Wissenschaftlerin, dass ich meine Wissenschaft in die Öffentlichkeit transferiert hätte." Dabei sei ihr vorgeworfen worden, "exponiert, profiliert und selbstbewusst" gewesen zu sein und ihr Aktivismus sowie ein politisches Wirkungsbedürfnis. Bei einem Mann wären diese Eigenschaften als souverän, durchsetzungsstark und Führungsqualitäten gewertet worden.

Sie bedauerte, dass ihr in der Debatte nicht die Gelegenheit gegeben wurde, sich selbst in der Unionsfraktion im Bundestag auf der Sachebene zu den Vorwürfen zu äußern. "Aber sie hat mich nicht eingeladen", sagte Brosius-Gersdorf.

dpa