Alarm bei der Feuerwehr: Ein Kind soll in einen zugefrorenen See eingebrochen sein. Schneller als die Einsatzkräfte ist eine Drohne vor Ort. Die Luftbilder zeigen sofort: Es ist keine Einbruchstelle zu sehen, niemand kam zu Schaden – Entwarnung. Mit Drohnen verschafft sich die Feuerwehr München seit Anfang Dezember einen schnellen Überblick über Einsatzorte wie Unfälle und Brände.
Die automatisiert startenden Fluggeräte sollen neben hochauflösenden Fotos und Live-Videos auch Thermobilder liefern. Bereits 33 Sekunden nach der Alarmierung seien die Drohnen unterwegs und deshalb häufig schon vor den Einsatzkräften an der Einsatzstelle.
Lagebild aus der Luft in Rekordzeit
"Unser erstes Zwischenfazit nach zwei Monaten Testbetrieb ist sehr positiv", sagt Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble, Leiter der Feuerwehr München. "Mit den automatisierten Drohnen erhalten wir schon auf der Anfahrt ein deutlich besseres Lagebild." Alle Einsätze hätten reibungslos funktioniert.
Die zwei Drohnen seien seit Beginn des Projektes mehr als zwanzigmal im Einsatz gewesen, teilte die Feuerwehr mit. Die Drohnen konnten demnach bei der ersten Lageeinschätzung wichtige Hinweise liefern, die kaum erhältlich gewesen wären, ohne dass sich Einsatzkräfte in Gefahr bringen.
Einsatz bei Busunfall
Auch bei dem schweren Busunfall am vergangenen Wochenende im Stadtteil Trudering wurde eine Drohne zur Erkundung eingesetzt. Ein Linienbus war nach einem medizinischen Notfall des Fahrers gegen eine Hauswand geknallt. Eine 13-Jährige starb, der Busfahrer wurde schwer verletzt. Vier Mädchen und eine Frau erlitten leichtere Verletzungen.
Außerdem konnten bei einem Brand in einer Küche mit der eingebauten Wärmebildkamera wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, bei einem Brand unter einer Brücke konnte die Einsatzstelle von der Flussseite her erkundet werden. Der längste Einsatz dauerte 26 Minuten, die Drohne legte dabei 17,6 Kilometer zurück. Insgesamt waren die beiden Drohnen über sechs Stunden in der Luft, die bisher zurückgelegte Gesamtflugstrecke beträgt 197 Kilometer.
Technik mit Sicherheitsnetz
Sollte bei einer der 40 mal 40 Zentimeter großen Drohnen etwas schiefgehen, gibt es dafür diverse Vorkehrungen – zum Beispiel in Form eines Mini-Fallschirms, damit das Gerät im Fall eines Absturzes sanft aufkommt.
Die Drohnen stehen in Dockingstationen an zwei Standorten bereit: auf der Feuerwache 4 in Schwabing und der Feuerwache 5 in Ramersdorf. Noch in diesem Quartal soll voraussichtlich ein dritter Drohnenstandort im Landkreis München installiert werden.
Entscheidung nach der Testphase
"Wir dokumentieren jeden Drohneneinsatz sehr detailliert, um möglichst viele Erkenntnisse daraus mitzunehmen", sagte Schäuble. Nach Abschluss der sechsmonatigen Erprobungsphase soll über die künftige Nutzung entschieden werden und darüber, wie viele Standorte sinnvoll wären.