Der Borkenkäfer ist gefürchtet und soll möglichst keine Chance bekommen, sich in Bayerns Wäldern auszubreiten. Dafür hat Anfang April das jährliche Monitoring der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) begonnen. In Fallen werden Borkenkäfer gesammelt und wöchentlich gezählt. Je nach Anzahl machen sich Fachleute auf die Suche nach frisch befallenen Bäumen, um diese schnellstmöglich aus dem Wald zu entfernen. Bayernweit sind nach LWF-Angaben rund 550 Lockstoff-Fallen aufgestellt worden.
In den Fallen sind die Pheromone enthalten, die entweder den Buchdrucker oder den Kupferstecher anlocken. Die beiden Borkenkäfer-Arten sind im Freistaat am häufigsten verbreitet. Im Bayerischen Wald sei es vorwiegend der Buchdrucker, erläutert Jochen Linner, der als Sachgebietsleiter im Nationalpark Bayerischer Wald für das Monitoring zuständig ist.
Die Käfer folgen dem Duft und fallen in die briefkastenähnlichen Boxen. Einmal wöchentlich würden die Fallen überprüft und die darin gesammelten Käfer gezählt, so Linner. Sei eine bestimmte Anzahl erreicht, deute das auf die ersten Schwärme hin. Dann suchten Mitarbeiter Bäume nach Bohrmehl ab, das anzeige, dass ein Baum frisch befallen sei. Das Bohrmehl sei das früheste Indiz. Ansonsten sehe man den Befall einem Baum in diesem frühen Stadium nicht an.
Keine Rettung für befallenen Baum
"Für den Baum gibt es dann keine Rettung mehr. Er muss gefällt werden", sagt Linner. Der gefällte Baum müsse schnellstmöglich aus dem Wald geholt, zu einer Forststraße gebracht und von dort abtransportiert werden. Alternativ könne er entrindet werden und dann als Totholz im Wald bleiben. Der Faktor Zeit spiele hier eine wichtige Rolle: Wenn zu Saisonbeginn, bei der ersten Brut, schon viele Käfer beziehungsweise befallene Bäume entfernt würden, falle die zweite oder dritte Brut deutlich geringer aus.
Harte Winter kann der Borkenkäfer Linner zufolge gut überstehen. Aktiv wird er, sobald es tagsüber 16 bis 17 Grad sind, es nachts nicht mehr frostig und auch eine gewisse Tageslichtdauer erreicht ist. Wärme und Trockenheit kommt dem Schädling entgegen: Wärme, weil sie die Entwicklung der Larven beschleunigt, und Trockenheit, weil sie die Bäume schwächt. Ein gesunder Baum könne sich mit Harz gegen Borkenkäfer wehren, sagt Linner, ein etwa mangels Regen geschwächter Baum nicht mehr.
Zuletzt weniger Borkenkäfer-Schäden
Bayernweit sei bei Borkenkäfer-Schäden zuletzt ein positiver - also rückläufiger - Trend feststellbar, sagt Tobias Frühbrodt, Projektleiter bei der LWF. Habe es im sogenannten Katastrophenjahr 2023 rund 6,3 Millionen Festmeter Schadholz gegeben, seien es 2024 etwa 4,2 Millionen und 2025 um die 1,9 Millionen Festmeter gewesen.
Allerdings gebe es regional immer wieder auch negative Entwicklungen. Insgesamt sei eine Verlagerung des Schädlings aus dem Norden und Osten des Freistaates in den Süden erkennbar. Der Anteil des Kupferstechers am Schadholz betrage weniger als zehn Prozent und betreffe vor allem jüngere Fichtenbestände.
Wichtig sei langfristig der weitere Waldumbau hin zu Mischwäldern. Die regional nach wie vor sehr hohen Fichtenbestände seien eine "tickende Zeitbombe", sagt Frühbrodt. Allerdings dürfe nicht übersehen werden, dass auch Kiefer, Lärche, Tanne oder Douglasie Schädlinge hätten, die Massenvermehrungen durchlaufen könnten.
Welche Fressfeinde hat der Borkenkäfer?
Eine weitere Möglichkeit, den Borkenkäferbefall zu reduzieren, wäre, Fichten schon in jüngerem Alter zu nutzen. Denn der Buchdrucker suche sich in der Regel ältere Fichten ab 60 Jahren aus. Da ist die Rinde dicker. Solche Entscheidungen wirkten sich jedoch unter anderem auf die Holzverwertung und den Wald als Lebensraum aus und müssten daher gut abgewogen werden.
Natürliche Feinde habe der Borkenkäfer zwar auch, jedoch reiche das nicht aus, um den Schädling effektiv einzudämmen. Zu den Fressfeinden zählten der Specht und andere Vögel, Insekten wie der Ameisenbuntkäfer, Erzwespen und Langbeinfliegen. Solche Arten im Wald zu fördern, sei hilfreich, dennoch bleibe die saubere Waldwirtschaft unbedingt notwendig.
Darf Gift verwendet werden?
Der Nationalpark Bayerischer Wald beteiligt sich seit vielen Jahren am Monitoring. Nach dem Negativjahr 2023 sei dieses intensiviert worden, sagt Jochen Linner.
In der naturbelassenen Schutzzone im Kern des Nationalparks darf der Borkenkäfer sein. Um ein Überspringen des Schädlings auf angrenzende Privat- und Staatswälder zu verhindern, wird er im Randbereich - also der Managementzone des Nationalparks - bekämpft. Dort seien etwa 30 Fallen aufgestellt worden. "Unsere Suchmannschaft steht bereit." Gift auszubringen sei keine Option. "Das ist im Nationalpark untersagt."
Außerhalb des Nationalparks ist ein Pestizid laut LWF "das letzte Mittel der Wahl" und wird lediglich bei bereits gefällten Bäumen eingesetzt.
Im Nationalpark niedrigster Stand seit 25 Jahren
Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, setzt der Nationalpark auf externe Dienstleister. Es würden vorab Rahmenverträge mit Firmen abgeschlossen, die gegebenenfalls Bäume fällen und aus dem Wald bringen oder entrinden und die dafür nötigen Maschinen mitbringen, sowie mit Sägewerken, die das Schadholz abholen und kaufen.
Die bayernweit rückläufigen Zahlen bei Schäden durch den Borkenkäfer spiegeln sich auch in der Managementzone des Nationalparks wider: 2023 kamen 144.000 Festmeter Schadholz zusammen, 2024 rund 40.000 Festmeter und 2025 etwa noch 8.000 Festmeter. Das ist den Angaben nach dort der tiefste Stand bei der Borkenkäferaktivität seit 25 Jahren.
Borkenkäfer-Portal der LWF Borkenkäfer-Monitoring der LWFF