Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich hat die frühzeitige Jobgarantie für Trainer Stefan Leitl verteidigt. "Ich würde noch einmal so entscheiden", sagte der 59-Jährige in einer Medienrunde. Nach dem desaströsen 1:6 zum Saisonabschluss bei Arminia Bielefeld hatte es auch Fankreisen Kritik an der Entscheidung gegeben, mit dem Coach auch in die nächste Zweitliga-Saison zu gehen.
Görlich setzt dagegen auf Kontinuität: "Wir gehen davon aus, dass eine strukturelle Schärfe in das Gesamtgefüge hineinkommt. Dafür brauchen wir eine gewisse Planungssicherheit. Dass ein Auftreten in Bielefeld ab der 46. nicht zu akzeptieren ist, ist ganz klar."
Zwei Tage in Klausur
Görlich sowie zahlreiche Mitarbeiter und Trainer auch aus der Hertha-Akademie hatten sich schon nach dem 25. Spieltag Anfang März für zwei Tage in Klausur begeben und eine Saisonanalyse vorangetrieben. "Wir haben eine Klarheit geschaffen, an welchen Themen es gelegen hat", sagte Görlich über das verpasste Ziel des Aufstiegs in die Bundesliga.
Die Verfügbarkeit auf einzelnen Positionen über mehrere Spieltage sowie das Verhalten bei Standards waren die beiden großen Themen, die von Beginn an der nunmehr abgelaufenen Spielzeit nicht optimal besetzt werden konnten.
"Wir sind von Anfang an hinterhergelaufen. Wir können mit Spitzenteams mithalten, aber nicht konstant mithalten", sagte Sportdirektor Benjamin Weber, der zudem die Heimschwäche monierte, aber auch auf die Vergangenheit verwies: "Man vergisst, wo wir vor drei Jahren nach dem Abstieg standen."
Erst Transfereinnahmen - dann Neuzugänge
Damals bekam Hertha gerade so die Lizenz und war stark limitiert bei der Suche nach neuen Spielern, was immer noch der Fall ist. "Wir werden Qualität verlieren", sagte Görlich. Einige Spieler wie Kennet Eichhorn, Tjark Ernst oder Kapitän Fabian Reese haben Begehrlichkeiten geweckt und Hertha muss Transfererlöse erzielen. Und auch Neuzugänge können erst an Bord geholt werden, wenn Transfereinnahmen auf das Konto des Vereins fließen.
Angesichts klammer Kassen müssen die Neuzugänge sitzen, um den Ansprüchen gerecht zu werden, was in den letzten Jahren nicht geklappt hat. Diese Missstände sollen durch ein neues Scouting gemindert werden, dass die richtigen Mannschaftsmitglieder zusammenstellt. Mit Basti Huber habe man bereits einen entscheidenden Mann verpflichtet, so Görlich: "Wir suchen Profile, nicht Positionen."
Nachjustierung statt Neustart
Mit den Ergebnissen der Analyse und dem neuen Scouting soll die neue Saison erfolgreicher gestaltet werden. "Wir haben beim Pflichtprogramm Schwächen gezeigt und fehlende Bereitschaft", sagt Görlich, der keinen "Neustart" ausruft, sondern eine "Nachjustierung".
Das Ziel bleibt dabei bestehen. "Es ist immer unser Ziel, in der Liga zu spielen, in der Union spielt", sagt Görlich mit einem Hinweis auf das achte Erstliga-Jahr des Berliner Lokalrivalen. "Aber wir müssen es realistisch formulieren. Einen Aufstieg ruft man nicht aus, einen Aufstieg erarbeitet man sich", sagte Görlich.