Die Enttäuschung in den Gesichtern der Hertha-Profis verdeutlichte, dass insgeheim niemand mit dem Aufstieg abgeschlossen hatte. Auch wenn die öffentlichen Aussagen in den letzten Wochen ein anderes Bild zeigen sollten. Doch nach dem Last-Minute-Remis gegen den VfL Bochum dürfte der Bundesliga-Traum endgültig geplatzt sein.
Sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz scheinen bei noch acht ausstehenden Partien in der 2. Fußball-Bundesliga zu viel. "Wir haben in dieser einen Minute alles verloren. Dieser Punkt ist nichts. Es ist ein Rückschlag", sagte Torschütze Dawid Kownacki, dessen 29. Geburtstag in letzter Minute vermiest wurde. Der Pole hatte die Berliner per Foulelfmeter (45. Minute) verdient in Führung gebracht, Leandro Morgalla (90.+1) glich jedoch spät aus.
Besonders bitter war das späte 1:1 nach einer Ecke, weil der Hauptstadt-Club bis dahin aus dem Spiel praktisch nichts zugelassen hatte. "Wäre cool, wenn man da mal so ein 2:0 macht - machst du aber nicht", befand Routinier Paul Seguin kurz und knapp.
Es fehlt "dieses Vollgas aufs zweite Tor"
Der Spielverlauf erinnerte ein wenig an das 1:1 gegen Arminia Bielefeld. Auch damals kassierte Hertha den Ausgleich in der Nachspielzeit. Was der Mannschaft nach Meinung von Torhüter Tjark Ernst fehlt? "Die letzte Kaltschnäuzigkeit. Ich will jetzt niemanden die Gier absprechen, aber dieses Vollgas aufs zweite Tor", befand der Keeper, der an seinem 23. Geburtstag am Sonntag auch gern nach einem Sieg aufgewacht wäre. Dass John Anthony Brooks sein erstes Pflichtspiel für Hertha seit Sommer 2024 absolvierte, geriet zur Nebensache. Ausgerechnet der Rückkehrer verlor sogar das Kopfballduell, das Bochums Morgalla den Ausgleichstreffer vorlegte.
Bleibt Reese? "Stand heute auf jeden Fall"
Der gelbgesperrte Kapitän Fabian Reese litt auf der Tribüne mit und vergrub sein Gesicht beim Gegentor in den Händen. Anschließend trottete er mit seinen Kollegen vor die Ostkurve, dann verschwand er wortlos in der Kabine. Dafür hatte der 28-Jährige in der Halbzeitpause am Mikrofon des Pay-TV-Senders gesprochen - auch über seine Zukunft und den Langzeitvertrag bis 2030.
Angesichts der fast schon gescheiterten Aufstiegsmission mehrten sich zuletzt Spekulationen um einen vorzeitigen Abgang des Publikumslieblings. "Stand heute auf jeden Fall", antwortete der Flügelspieler auf die Frage, ob er über den Sommer hinaus bei Hertha bleibe.
Eine Formulierung, die nicht gerade wie ein klares Bekenntnis klingt. "Fakt ist: Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich liebe den Verein. Hertha und Berlin ist mein Zuhause", sagte Reese. Trotzdem könne man sich viele Dinge erträumen und trotzdem spiele das Leben manchmal anders.