Häusliche Gewalt
Schutz vor Gewalt - neues Frauenhaus in Berlin

In Berlin gibt es eine weitere Einrichtung, wo von Gewalt betroffene Frauen und Kinder Schutz finden. Foto: Sebastian Christoph
In Berlin gibt es eine weitere Einrichtung, wo von Gewalt betroffene Frauen und Kinder Schutz finden. Foto
© Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Die Dunkelziffer ist hoch. Aber allein nach der Statistik wird etwa alle zwei Minuten ein Mensch Opfer häuslicher Gewalt - meist Frauen. Für sie gibt es eine neue Möglichkeit, der Gewalt zu entkommen.

Für Opfer häuslicher Gewalt gibt es in Berlin einen weiteren Zufluchtsort: Für rund 2,5 Millionen Euro ist im Süden der Hauptstadt das neunte Frauen- und Kinderschutzhaus mit 26 Familienplätzen in 10 Wohnungen entstanden. Seit Mitte Januar sind bereits 18 Frauen und 13 Kinder dort untergebracht, wie die Senatssozialverwaltung mitteilte. 

Sozialarbeiterinnen bieten den Bewohnerinnen psychosoziale Beratung an, zudem gibt es nach den Angaben eine Psychologin. Zwei Erzieherinnen bieten pädagogische Unterstützung für Kinder. Zum Schutz der Betroffenen bleibt die Adresse der Einrichtung vertraulich. Ihr Träger ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin.

Mit der Eröffnung der neuen Einrichtung gibt es in Berlin nach den Angaben nun 393 Familienplätze mit 859 Betten für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, und ihre Kinder.

Mit dem neuen Haus schaffe Berlin einen weiteren Ort, an denen Frauen und Kinder sicher leben könnten, erklärte Sozial- und Gleichstellungssenatorin Cansel Kiziltepe anlässlich der offiziellen Eröffnung des Hauses. Die neue Einrichtung lege den Fokus auf Frauen mit ihren Kindern. "Denn Kinder machen in der Regel mehr als die Hälfte der Bewohnenden in den Häusern aus", so die SPD-Politikerin. Das neue Gewalthilfegesetz sichere ihnen ein eigenständiges Recht auf Schutz und Beratung zu.

Vorgaben für Zahl der Familienplätze 

"Mit dem neunten Frauenhaus rückt Berlin der vollständigen Umsetzung der Istanbul-Konvention einen Schritt näher", erklärte Kiziltepe. Nach den Vorgaben muss Berlin insgesamt 390 Familienplätze vorhalten, die betroffenen Frauen kostenlos zur Verfügung stehen. In der Hauptstadt gibt es nach den Angaben derzeit insgesamt solcher 239 Familienplätze. Weitere Plätze sollen noch in diesem Jahr entstehen, wie es von der Senatssozialverwaltung heißt. 

Zudem können Frauen und ihre Kinder in sogenannten Zufluchtswohnungen unterkommen. Dort gibt es laut Senatsverwaltung weitere 154 Familienplätze. Allerdings müssen Betroffene dort die Miete selbst finanzieren oder eine Kostenübernahme vorlegen.

Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt 

In diesem Jahr stehen laut Sozialverwaltung für den Bereich Gewaltschutz inklusive Bundesmittel rund 37,5 Millionen Euro im Haushalt zur Verfügung, im nächsten Jahr sind es 43,1 Millionen Euro. Zusätzlich habe das Berliner Abgeordnetenhaus für die Schaffung und den Betrieb neuer Plätze insgesamt rund 19,3 Millionen Euro für die Jahre 2026 und 2027 zur Verfügung gestellt. 

Ziel der Istanbul-Konvention aus dem Jahr 2011 ist die Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich, dafür politische und rechtliche Maßnahmen zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt zu ergreifen. Der Vertrag trat im August 2014 in Kraft und gilt in Deutschland seit Februar 2018.

Mehr Opfer häuslicher Gewalt erfasst

Nach Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) sind im Jahr 2024 bundesweit mehr als 187.000 weibliche Opfer von häuslicher Gewalt registriert worden. Experten gehen von einer Dunkelziffer aus, weil nicht alle Fälle gemeldet werden. Insgesamt waren nach den Zahlen 265.942 Menschen von häuslicher Gewalt betroffen - so viele wie noch nie. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr betrug nach Angaben des BKA 3,7 Prozent. Rein statistisch betrachtet wurde damit etwa alle zwei Minuten ein Mensch Opfer. 2023 waren den Angaben zufolge 70,5 Prozent der Opfer weiblich.

dpa