Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat die Pläne der Bundesregierung begrüßt, den Einsatz sogenannter K.o.-Tropfen härter zu bestrafen. "Es ist der richtige Weg, weil wir über sehr schwere Straftaten reden", sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro dem Sender RBB24. K.o-Tropfen seien bis jetzt nicht als gefährliches Werkzeug eingestuft. Das Problem lösen werde die Strafverschärfung aber nicht. Nötig seien mehr Aufklärung und vor allem das Engagement der Clubs, um ihre Besucher besser zu schützen.
Nach dem Beschluss der Bundesregierung sollen K.o.-Tropfen, die meist synthetische Drogen sind, rechtlich so eingestuft werden wie eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug. Ein Täter, der die gefährlichen Mittel für eine Vergewaltigung oder einen Raub einsetzt, soll künftig mindestens fünf Jahre Gefängnisstrafe erhalten.
GdP: Wachsendes Problem
GdP-Sprecher Jendro sagte weiter, die Zahlen würden seit Jahren steigen. Das könne zwar auch daran liegen, dass mehr Menschen bei der Polizei Anzeigen stellten. "Aber es ist losgelöst davon deutlich sichtbar, dass das Problem wächst." Berlin sei als Großstadt mit vielen Gelegenheiten für Täter im Nachtleben stark betroffen.
Es gebe auch Fälle, bei denen Täter ihren Opfern K.o-Tropfen verabreichten, um sie auszurauben. Oft gehe es aber um sexuelle Straftaten, die durch Männer begangen würden, sagte Jendro. Wegen des Schamgefühls der Betroffenen und nicht immer klar erkennbaren Vergiftungen sei das Dunkelfeld nicht angezeigter Taten groß. Täter würden selten gefasst und verurteilt.
Keine Statistik zu Taten
Tatsächlich gibt es keine bundesweite Polizeistatistik zum Einsatz von Substanzen, die Opfer vor einem sexuellen Übergriff wehrlos machen sollen. In den meisten Fällen wird vermutet, dass die Tropfen in einer Bar oder einem Club heimlich verabreicht wurden. Es gibt aber auch Taten, die sich im privaten Rahmen bei Feiern oder Verabredungen abspielen.
Die Bundesrechtsanwaltskammer hatte in einer Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf angemerkt, das Ausmaß der Taten werde überschätzt. Lokale Studien zu entsprechenden Verdachtsfällen hätten ergeben, dass die Betroffenen in der Regel die Wirkung ihres Alkoholkonsums falsch eingeschätzt hätten.