Ausbreitung der Insekten
Zahl der Eichenprozessionsspinner im Norden steigt

Der Eichenprozessionsspinner ist eine in Deutschland heimische Schmetterlingsart - sie kommt bevorzugt in warmen, trockenen Regi
Der Eichenprozessionsspinner ist eine in Deutschland heimische Schmetterlingsart - sie kommt bevorzugt in warmen, trockenen Regionen vor. (Symbolfoto) Foto
© Lisa Ducret/dpa
Unter anderem durch steigende Temperaturen breitet sich der Eichenprozessionsspinner immer weiter aus - auch in Hamburg und Schleswig-Holstein. Nicht nur die Raupen können Menschen schaden.

Eine Schmetterlingsart, die Eichen liebt, breitet sich auch im Norden immer weiter aus. "In Hamburg verzeichnen wir seit einigen Jahren einen leichten, aber kontinuierlichen Anstieg des Eichenprozessionsspinners", teilte ein Sprecher der Hamburger Umweltbehörde der dpa mit. In den letzten fünf Jahren war die Zahl der Schmetterlingsraupen demnach gestiegen.

Hinweise auf ein exponentielles Wachstum oder extreme Ausschläge, die nicht mehr kontrollierbar wären, gibt es allerdings nicht. "Dieser Anstieg bewegt sich weiterhin im lokalen Bereich und unterliegt ebenso den natürlichen Schwankungen."

Als Eichenstadt - allein im Straßenbaumkataster sind rund 42.000 Stieleichen verzeichnet - stehen dem Eichenprozessionsspinner in der gesamten Stadt potenziell geeignete Lebensräume zur Verfügung, teilte der Sprecher mit. Eine detaillierte Aufschlüsselung nach betroffenen Gebieten gibt es nicht, da der Eichenprozessionsspinner sowohl auf Privatgrundstücken als auch auf öffentlichen Flächen auftreten kann. Allerdings werden potenziell stärker betroffene Bereiche durch Warnhinweise gekennzeichnet.

Was Hamburg gegen die Insekten tut

Wird ein Nest oder ein befallener Baum entdeckt, ist laut Behörde grundsätzlich der Eigentümer des Grundstücks dafür verantwortlich. Bei städtischen Flächen kümmere sich die zuständige Dienststelle darum, eine mögliche Gefahr zu beseitigen. Besonders in stark genutzten Bereichen wie Spielplätzen oder Parks empfiehlt die Behörde, Nester oder Befall zu entfernen - Naturschutzgebiete sind davon ausgenommen. 

"Hamburg setzt bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auf bewährte und ökologisch vertretbare Strategien", teilte der Sprecher mit. Nester werden gezielt dort entfernt, wo es erforderlich ist. Die am häufigsten eingesetzte Methode sei das Absaugen der Nester. 

Der Eichenprozessionsspinner werde in Hamburg allerdings im Rahmen der sogenannten Klimaanpassungsstrategie berücksichtigt. Fachleute prüfen demnach fortlaufend, ob bestehende Monitorings und Warnsysteme – etwa zu Pollen, Ozon oder dem Eichenprozessionsspinner – aufgenommen oder weiter optimiert werden. 

Verglichen mit den Vorjahren sei der Befall 2025 laut Umweltbehörde unauffällig gewesen. Im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner waren 2022 zum Beispiel zeitweise Lastwagen-Parkplätze an der A1 in Hamburg gesperrt.

Keine besonderen Befallssituationen in Schleswig-Holstein

Während die Art in Hamburg aufgrund des wärmeren Stadtklimas schon überall erwartet werden kann, etabliert sich der Eichenprozessionsspinner in Schleswig-Holstein nun langsam im Süden und Südosten, teilte eine Sprecherin des zuständigen Landesamtes für Umwelt der dpa mit.

Es seien aktuell keine besonderen Befallssituationen in Schleswig-Holstein bekanntgeworden. "Die Art gilt als wärmeliebend, insofern ist nach dem kalten Winter und kühlen Frühjahr eher eine geringere Befallssituation zu erwarten."Im vergangenen Jahr konnte der Schmetterling demnach im ganzen Land nachgewiesen werden, eine "Vermehrung (Raupenfunde) beschränkte sich aber auf den Süden des Landes", teilte das Landesamt mit. Nach eigenen Erhebungen sterben demnach aber auch dort viele Raupen vor der endgültigen Entwicklung ab - so auch 2025. "Schleswig-Holstein ist (noch) nicht im klimatischen Gunstraum der Art angekommen."

Der Falter ist laut Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein 2011 erstmals aufgetreten. "Die zunehmenden Jahresmitteltemperaturen lassen ein weiteres Vordringen nach Norden erwarten."

Eichenprozessionsspinner ist heimisch

Trotz seiner gesundheitlichen Risiken ist der Eichenprozessionsspinner ein heimischer Bestandteil unserer Ökosysteme, teilte die Umweltbehörde mit. "Seine Raupen dienen zahlreichen Arten – darunter Vögeln, Fledermäusen und Insekten – als wichtige Nahrungsquelle und sind damit Teil komplexer Nahrungsnetze."

Der Eichenprozessionsspinner ist übrigens ein graubrauner Nachtfalter, dessen Raupen vor allem im Mai und Juni für den Menschen gefährlich werden können. Sie ernähren sich von den Blättern und Knospen verschiedener Eichenarten. Die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Schmetterlingsraupen können beim Menschen stark juckende allergische Hautreaktionen sowie Entzündungen an den Augen hervorrufen. 

Auch die oberen Atemwege können betroffen sein. Die Raupen sollte man daher nicht berühren. In Kontakt mit den Brennhaaren können Menschen allerdings auch durch Verwehungen kommen. Ein Kontakt ist aber auch über die Gespinstnester möglich - die Brennhaare können dort bis zu zwölf Jahre überdauern.

dpa