Merlin Polzin wurde bei einem Spieler regelrecht euphorisch, als der Trainer des Hamburger SV auf die vielen neuen Gesichter im Kader angesprochen wurde. Allerdings war der Zugang ein alter Bekannter: Nachwuchsspieler Otto Stange, der zuletzt an die SV Elversberg ausgeliehen war und nun vorzeitig zurückgeholt wurde.
"Gerade bei Otto ist es bekannt, dass er die Raute dann nicht nur auf der Brust trägt, sondern auch wirklich in seinem Herzen. Also es ist eine Freude, den Jungen zu sehen, auch wieder in unseren Klamotten", sagte Polzin über den neuen alten HSV-Profi. Der 18-Jährige war in der vergangenen Saison Teil des Aufstiegskaders.
13 Kaderbewegungen im Winter
Aus jenem Kader finden sich viele heute nicht mehr im Trikot des Fußball-Bundesligisten. Üblicherweise gilt das Winter-Transferfenster als kompliziert. Doch der HSV ging bei der Mission Klassenerhalt auf Shoppingtour. Insgesamt 13 Kaderbewegungen verzeichnete die sportliche Führung um Sportdirektor Claus Coasta.
Die Hanseaten liehen unter anderem für die Offensive den früheren Kölner Damion Downs, den dänischen Nationalspieler Albert Grönbaek und den Nigerianer Philip Otele aus. Spieler des Aufstiegskaders wie Jonas Meffert, Emir Sahiti (Leihe), Immanuel Pherai (Leihe) und Silvan Hefti verließen den Club.
Personalprobleme auf linker Offensivseite
Trainer Polzin kann bei der nächsten Aufgabe am Wochenende beim 1. FC Heidenheim am Samstag (15.30 Uhr/Sky) theoretisch auf alle neu im Winter dazu geholten Spieler zurückgreifen. Alle Verstärkungen seien sehr energiegeladen in der Hansestadt angekommen, berichtete der Coach. Auf der linken Offensivseite könnten sowohl die Neuzugänge Otele und Grönbaek beginnen.
Die linke Seite ist aktuell die Problemzone des HSV. Denn für das Heidenheim-Spiel fehlt der noch länger verletzte Alexander Røssing-Lelesiit, der aktuell einen ersten Teil seiner Reha in Norwegen verbringt. Der zuletzt angeschlagene Fabio Baldé trainiert noch individuell. Und Jean-Luc Dompé durfte nach seiner Suspendierung infolge der Alkoholfahrt in dieser Woche zwar wieder trainieren, aber bleibt auch wegen des Vorfalls noch für die kommende Partie vom Club ausgeschlossen. Der beim 2:2 gegen Bayern München stark aufspielende Abwehrspieler Nicolas Capaldo fehlt zudem wegen seiner Gelb-Sperre.
In den vergangenen Jahren erlebte Polzin sowohl in der 2. Liga als Assistent, aber auch in dieser Saison beim ersten Ligasieg gegen Heidenheim (2:1) und auswärts in der zweiten Runde des DFB-Pokals (1:0) die Heidenheimer. Dementsprechend ist er gewarnt. Sechs Punkte trennen den Tabellen-13. HSV vom Letzten.
"Ich erwarte die Heidenheimer so, wie ich auch die Mannschaft von Frank kenne. Das heißt, maximal aggressiv, mit sehr viel Mannorientierung, mit sehr viel Härte auch im Zweikampf auf eine absolute positive Art und Weise", sagte Polzin und lobte den langjährigen Heidenheimer Dauertrainer Frank Schmidt als "absolute Legende".
Einen Spannungsabfall nach der starken Leistung gegen den Tabellenführer FC Bayern München will Polzin um jeden Preis verhindern. Im Trainerteam sei bereits besprochen worden, dass nach guten Partien gegen Dortmund, gegen Stuttgart und gegen Bremen es folgende Spiele gegeben habe, in denen die Mannschaft weniger Leistungen gezeigt habe, "für das, was wir stehen wollen". Polzin sprach von einem "Charakterspiel" im Südwesten.