Armut
Verband: Armutsquote in Hessen über Bundesdurchschnitt

Von Armut sind vor allem ältere Menschen, Alleinlebende und Alleinerziehende betroffen (Sybolbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/
Von Armut sind vor allem ältere Menschen, Alleinlebende und Alleinerziehende betroffen (Sybolbild) Foto
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Der Paritätische Wohlfahrtsverband spricht von „alarmierenden Zahlen“ und sieht die Politik in der Pflicht. Die regionalen Unterschiede sind groß.

Die Armut in Hessen wächst laut einem neuen Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands - und liegt über dem bundesweiten Durchschnitt. Demnach waren 2025 in Hessen 17,3 Prozent der Menschen betroffen, 2024 waren es noch 15,5 Prozent. Im Vergleich der Bundesländer liegt Hessen im Mittelfeld. 

Damit ist die Armutsquote im Land höher als im deutschlandweiten Mittel von 16,1 Prozent. Die Zahlen hatte das Statistische Bundesamt im Februar bereits mitgeteilt. Offiziell gelten die Betroffenen dabei - auf Basis einer Definition der Europäischen Union - als armutsgefährdet. 

Kassel hat die höchste Armutsquote in Hessen

Innerhalb Hessens ist die Armutsquote regional unterschiedlich hoch: Für Kassel hat das Statistische Bundesamt eine Armutsquote von 19,2 Prozent ermittelt, für Gießen von 18,4 Prozent und für Darmstadt von 16,4 Prozent.

„Die alarmierenden Zahlen zeigen, dass die aktuellen Diskussionen über Kürzungen im sozialen Bereich völlig an der Realität vorbeigehen und dass die Stimmen armer oder armutsbetroffener Menschen im politischen Diskurs zu wenig Gehör finden“, sagt Yasmin Alinaghi, Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hessen. 

Eine Million Menschen in Hessen betroffen

Fast jede sechste Person in Hessen lebt dem Bericht zufolge in Armut. Das sind rund eine Million Menschen, deren gesellschaftliche Teilhabe stark eingeschränkt ist, und von denen viele sogar am Essen sparen müssen. Darunter sind besonders viele Ältere, Frauen, Haushalte mit Kindern und vor allem Alleinerziehende. 

„Die Ungleichheit in der Gesellschaft wächst“, sagt Kristina Nottbohm, Referentin für Grundsatzfragen beim Paritätischen Hessen - und macht konkrete Vorschläge, das zu ändern: Kostenfreie Mahlzeiten in Kitas und Schulen, Ganztagsbetreuung für alle ersten Klassen und der Kampf gegen steigende Mieten.

Weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens

Arm beziehungsweise armutsgefährdet sind laut der Definition Menschen, die mit ihrem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens liegen. 2025 lag die Grenze bei einer alleinstehenden Person bei einem monatlichen Einkommen von 1.445 Euro, bei einem Paar ohne Kinder bei 2.168 Euro. Alleinerziehende mit einem Kind gelten nach dieser Definition als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 1.879 Euro monatlich zur Verfügung haben. Bei einem Paar mit zwei Kindern sind es 3.035 Euro.

dpa