Reiche Ernte Hessens Kartoffelbauern leiden unter extremen Preisverfall

Wenn ein Übermaß auf die Preise drückt: Die Kartoffelschwemme sorgt für Frust bei Landwirten. (Archivbild) Foto: Jens Kalaene/dp
Wenn ein Übermaß auf die Preise drückt: Die Kartoffelschwemme sorgt für Frust bei Landwirten. (Archivbild) Foto
© Jens Kalaene/dpa
Volle Lager, Kartoffelpreise im Keller: Bei Hessens Landwirten ist der Frust über den miesen Kartoffelmarkt derzeit groß. Zur Spargelzeit droht zusätzliche Konkurrenz aus dem Ausland.

Hessens Landwirte leiden unter einem deutschlandweiten Preissturz für Kartoffeln. Wie der hessische Bauernverband auf dpa-Anfrage mitteilte, liegen die Preise etwa 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ein Grund ist demnach, dass deutschlandweit 2025 mehr Kartoffeln angebaut wurden. Zudem fuhren Höfe in viele Regionen gute Ernten ein. Der Druck auf den Markt sei groß, erklärte eine Verbandssprecherin. 

"Das sorgt für Frust bei den Bauern, da die Ware einfach nicht abfließt, keiner hat unbegrenzte Lagermöglichkeiten." Außerdem würden dadurch nicht nur die Kartoffeln, sondern auch die Probleme nur verlagert. "Denn trotz voller Läger mit hochwertigen deutschen Kartoffeln wird der Lebensmitteleinzelhandel im Frühjahr wieder Kartoffeln aus Ägypten und Israel als "Spargelkartoffeln" importieren und vermarkten", befürchtet der Verband.

Statt im Einkaufskorb landen Kartoffeln in der Biogasanlagen

Um der Kartoffelschwemme Herr zu werden, suchten die Landwirte andere Vermarktungswege. Die Knollen wanderten etwa in die Stärkeproduktion, ins Futter oder in Biogasanlagen. "Teilweise wurde auch untergepflügt, weil in manchen Fällen die Rodungskosten nicht einmal mehr wirtschaftlich vertretbar waren", hieß es.

Anders als deutschlandweit sei in Hessen die Anbaufläche nicht ausgeweitet worden, teilte der Verband mit. Die hessischen Landwirte bekämen die schlechten Preise allerdings ebenso zu spüren wie Kollegen aus den anderen Bundesländern.

Kreative Rettungsaktion

In Ostdeutschland hatte eine Aktion auf Aufsehen gesorgt, bei der tonnenweise Gratis-Kartoffeln verteilt wurden, etwa über Tafeln. Die Knollen stammen von der Osterland Agrar Gesellschaft südlich von Leipzig, die auf 4.000 Tonnen sitzen blieb. Ein Händler hatte die Kartoffeln bestellt, sie dann aber wegen eines Preisverfalls nicht abgeholt. Ob es auch in Hessen besondere Aktionen wegen des Überangebots an Kartoffeln gibt, konnte der Bauernverband nicht sagen.

dpa