Konjunkturumfrage
Kammerverband: "Stadt ist voll, aber es wird nicht gekauft"

Volle Innenstädte, leere Kassen: Geschäftslage und Erwartungen im Einzelhandel verschlechtern sich weiter. (Symbolbild) Foto: Ha
Volle Innenstädte, leere Kassen: Geschäftslage und Erwartungen im Einzelhandel verschlechtern sich weiter. (Symbolbild) Foto
© Hauke-Christian Dittrich/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Die Stimmung in der niedersächsischen Wirtschaft trübt sich weiter ein. Viele Unternehmen blicken pessimistischer auf die kommenden Monate, zeigt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern.

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher belastet den Einzelhandel in Niedersachsen zunehmend. "Die Stadt ist voll, aber es wird nicht gekauft", sagte die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammern Niedersachsen (IHKN), Maike Bielfeldt.

Auf steigende Verbraucherpreise und die wachsende Verunsicherung infolge des Iran-Kriegs reagierten private Haushalte mit einer höheren Sparquote, teilte der Kammerverband mit. Nicht dringend benötigte Anschaffungen würden aufgeschoben oder ganz gestrichen. Das zeige sich sowohl im stationären Handel als auch im Onlinegeschäft.

Zwischen Bummeln und Sparen

Die schwache Nachfrage ist Teil einer breiteren Eintrübung der Wirtschaftslage. Viele Unternehmen blicken pessimistischer auf die kommenden Monate, wie aus einer Konjunkturumfrage der IHKN hervorgeht. An der Befragung beteiligten sich 2.028 Unternehmen im Zeitraum vom 16. März bis 9. April.

Die Konsumneigung beziffern die befragten Unternehmen auf minus 55 Punkte; der langjährige Durchschnitt liegt bei minus 31. Von den angekündigten Reforminitiativen der Bundesregierung sei in der Wirtschaft bislang nichts zu spüren, kritisierte Bielfeldt.

Politik soll für Entlastungen sorgen

Das spiegelt sich auch im Gesamtbild der Umfrage wider. 40 Prozent der Betriebe erwarten eine ungünstigere Geschäftsentwicklung, nur 10 Prozent rechnen mit besseren Geschäften. Die aktuelle Lage bleibt zugleich schwach: 17 Prozent der Unternehmen bewerten sie als gut, 27 Prozent als schlecht.

Als größtes Risiko nennen die Unternehmen deutlich häufiger als zuletzt steigende Energie- und Rohstoffpreise. 70 Prozent sehen darin eine Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung – nach 43 Prozent im Vorquartal.

"Die Unternehmen warten weiterhin auf umfangreiche Reformen und spürbare Entlastungen", sagte Bielfeldt. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Energiepreise, Lieferketten und Logistik verschärften die Lage zusätzlich. Die Politik sei nun umso mehr gefordert, für Entlastungen zu sorgen – etwa bei Steuern, Arbeitskosten und Bürokratie.

dpa