Deutsche in Syrien vermisst
Vermisste Journalistin – Aus Berlin nur "schöne Worte"

Die Angehörigen der Vermissten fordern mehr Einsatz von der Bundesregierung. Foto: Oliver Berg/dpa
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Eine deutsche Journalistin wird in Syrien vermisst. Mittlerweile konnte das Auswärtige Amt Kontakt zu ihr aufnehmen. Die Familie fordert von Kanzler Merz, den Fall zur Chefsache zu machen.

Angehörige der in Syrien vermissten deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aufgefordert, ihre Freilassung zur Chefsache zu machen. In einem offenen Brief appellierten 160 Unterzeichner auch an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen, sich für die Freilassung einzusetzen.

Das Auswärtige Amt hatte in der vergangenen Woche erstmals Kontakt zu der seit drei Monaten vermissten Journalistin aufnehmen können. Nach Angaben der Anwaltskanzlei, die Michelmann vertritt, wurde sie am 18. Januar zusammen mit dem aus der Türkei stammenden kurdischen Journalisten Ahmet Polad in Syrien verschleppt.

Mutter: Bisher nur "schöne Sprüche" vom Auswärtigen Amt

Die Mutter der Journalistin, Rotraut Hake-Michelmann, sagte bei einer Pressekonferenz in Köln, sie sei zumindest erleichtert darüber, dass ihre Tochter noch lebe. Vom Auswärtigen Amt habe es bisher allerdings nur "schöne Sprüche" gegeben. Zwar sei zugesichert worden, dass sich die Botschaft in Damaskus um den Fall kümmere. "Aber das sind schöne Worte. Da müssen Taten folgen." Allein die Formulierung "Wir bemühen uns" vonseiten der Bundesregierung reiche nicht aus. "Das ist alles so schwammig, das sind Floskeln."

Michelmanns Bruder, Antonius Michelmann, sagte, seines Wissens habe die Bundesregierung den Fall bisher auf höchster Ebene nicht zur Sprache gebracht. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung das zur Chefsache macht. Es ist für uns unbegreiflich, wie die Bundesregierung mit so einem Regime zusammenarbeiten kann ohne ein Wort der Kritik." Dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa werde in Berlin der rote Teppich ausgerollt.

Das Auswärtige Amt äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu der Kritik.

Bruder: Es geht ihr "wirklich dreckig"

Der Anwalt Frank Jasenski sagte, er vermute, dass Michelmann unter unmenschlichen Haftbedingungen festgehalten werde. Dies müsse klar der jetzigen syrischen Regierung angelastet werden. Sie müsse jetzt sofort freigelassen werden, ebenso wie Polad. Die Haft dauere jetzt schon drei Monate, ohne dass den Betroffenen erlaubt worden wäre, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Eine Isolationshaft von so langer Dauer werde allgemein als Folter angesehen. Antonius Michelmann sagte, seine Schwester sei "über Stunden und Tage verhört" worden. Es müsse ihr folglich "wirklich dreckig gehen". 

Den Angaben zufolge arbeitete die aus Köln stammende Michelmann seit 2022 in Syrien als freie Journalistin. Sie machte sich demnach unter anderem für Frauenrechte stark.

dpa

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