Ermittler sind in Nordrhein-Westfalen wegen jahrelanger mutmaßlicher Steuerhinterziehung mit einer Razzia gegen ein Netzwerk aus Handwerksfirmen vorgegangen. Nach Angaben des Landesamts zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) soll ein Familienclan über mehrere Firmen Umsätze erzielt haben, ohne diese beim Finanzamt anzugeben.
Die Ermittler gehen bislang von einem Steuerschaden von mehreren Hunderttausend Euro aus, der sich über mindestens fünf Jahre angehäuft haben soll. Der tatsächliche Schaden könne aber auch deutlich höher liegen.
"Der aktuelle Fall ist besonders dreist, weil die Beschuldigten den Erkenntnissen zufolge nicht einen Cent an Umsatz- und Ertragsteuern für ihre Einkünfte gezahlt haben – und das über Jahre hinweg", berichtete Stephanie Thien, Leiterin des LBF NRW. "Die Ermittlungen gestalten sich komplex, weil die mutmaßlichen Clan-Angehörigen ihre Verbindungen und Aufenthaltsorte geschickt zu verschleiern versuchen."
Geldspürhund im Einsatz
Die Beschuldigten hätten ihre Dienstleistungen über Onlineplattformen angeboten, teilte das LBF NRW mit. Den Ermittlungen zufolge seien Unternehmen teils nicht angemeldet gewesen, oder hätten nicht mehr aktive Steuernummern genutzt. Teilweise seien die Kunden nach Arbeiten bedrängt worden, höhere Summen als vereinbart zu zahlen.
Bei den Durchsuchungen an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen sicherten Steuerfahnder Beweismittel. Zudem wurde nach Behördenangaben ein Grundstück zur Sicherung möglicher staatlicher Ansprüche belastet. An dem Einsatz beteiligten sich auch Polizei und ein Geldspürhund. Insgesamt richten sich die Ermittlungen derzeit gegen acht Beschuldigte, die auch Angehörige des Familienclans sein sollen.
Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund alleine aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.