In der romanischen Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode im Harz wird am kommenden Sonntag wieder das Osterspiel aufgeführt. Das Interesse daran ist jedes Mal sehr groß: "Die Kirche wird bestimmt wieder bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Besucher kommen teilweise von weither", sagte Gemeindepfarrer Andreas Müller der dpa.
Grundlage für die Aufführung von der Auferstehung Christi ist ein Drehbuch, das im 11. Jahrhundert im Damenstift Gernrode entstand. Der Text galt als verloren, doch im Jahr 1972 wurde in einem Archiv in Berlin-Dahlem eine Abschrift aus dem Jahr 1502 entdeckt.
Osterspiel am nachgebildeten Grab Christi
Die liturgische Handlung sei eigens für die älteste in Deutschland erhalten gebliebene Nachbildung des Grabes Christi geschrieben worden. Und das Stück werde nun auch genau an der dafür bestimmten Stelle aufgeführt. Darin bestehe die Einmaligkeit des Osterspiels von Gernrode, erläuterte Pfarrer Müller.
Bis zur Reformation und dann regelmäßig wieder seit 1989 wird die Grabkammer beim liturgischen Osterspiel genutzt. Lediglich im Coronajahr 2020 fiel die Aufführung aus.
Der Ablauf ist stets der Gleiche: Am Ostersonntag um 6.00 Uhr in der Früh beginnt der Gottesdienst. In der dunklen Grabkammer wird das Licht der Osterkerze entzündet, das anschließend zu anderen Kerzen weitergereicht und von einer Gruppe von zehn Frauen und zehn Männern aus dem Gotteshaus in den hellen Morgen gebracht wird. Von der Kirche aus gehen Darsteller und Besucher zur Andacht auf den nahe gelegenen Friedhof.
Archäologen untersuchten Gebeine
Ein langjähriges Geheimnis um einen Fund unmittelbar im Heiligen Grab ist indessen weitgehend gelüftet. Archäologen hatten dort bei Sanierungsarbeiten im Fundament Gebeine entdeckt. Sie gehörten zu einer 25 bis 35 Jahre alten Frau, die wohl im 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert im Damenstift lebte, wie Donat Wehner vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt erklärte. Wahrscheinlich stammt die Frau aus dem Harz. Anthropologische Untersuchungsergebnisse deuteten auf eine hohe Herkunft.