Domschatz Halberstadt
Was ein mittelalterliches Tuch mit der Fastenzeit zu tun hat

Das überdimensionale Tuch aus dem 13. Jahrhundert gilt als die einzige erhaltene, ausschließlich in Filetarbeit hergestellte Wei
Das überdimensionale Tuch aus dem 13. Jahrhundert gilt als die einzige erhaltene, ausschließlich in Filetarbeit hergestellte Weißstickerei des Mittelalters. Foto
© Matthias Bein/dpa
Im Domschatz Halberstadt wird zum Beginn der Fastenzeit ein Textilstück aus dem 13. Jahrhundert nach langer Zeit wieder gezeigt. Es sollte einst zum "Augenfasten" beitragen.

Der Domschatz Halberstadt nimmt den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit zum Anlass, ein Tuch aus dem 13. Jahrhundert wieder aus dem Depot zu holen. 80 Jahre sei das sogenannte Halberstädter Fastenvelum nicht zu sehen gewesen, hieß es. Das überdimensionale Tuch gelte als die einzige erhaltene, ausschließlich in Filetarbeit hergestellte Weißstickerei des Mittelalters.

"Solche Fastentücher dienten in der 40-tägigen Fastenzeit, den Altarraum und das Kreuz optisch von der Gemeinde zu trennen. Sie zwangen zum "Augenfasten", indem der prunkvolle Altar verdeckt wurde, um den Fokus auf die Leidensgeschichte Christi zu lenken", so eine Domschatz-Sprecherin. In der Osternacht sei der unmittelbare Blick wieder freigegeben worden. 

Die Verhüllung mit dem Halberstädter Tuch erfolgte jedoch subtiler, wie es weiter hieß: Die feine Filetstickerei auf Netzgrund sei nahezu durchsichtig und wirke daher eher wie ein Schleier.

Der Domschatz Halberstadt richtet sein Augenmerk in diesem Jahr besonders auf seine textilen Schätze. Im Vorharz gebe es den größten mittelalterlichen Bestand, der an einer Bischofskirche außerhalb des Vatikans erhalten sei. Der Textilbestand umfasse über 500 Objekte mit Bildteppichen zur Raumausstattung, Paramenten für den Altar und 86 vollständigen Gewändern der Priester und Bischöfe.

dpa