Ein besonders hartnäckiger Storch im kleinen Kamenzer Ortsteil Döbra (Kreis Bautzen) bereitet dem Energieversorger Sachsen Energie derzeit Kopfzerbrechen und sorgt bei Anwohnern für Freude und Belustigung. Das Tier, dem der Name "Gustav" gegeben wurde, hatte einen Niederspannungsmast, an dem mehrere Freileitungen verlaufen, als idealen Ort für die Familiengründung auserkoren.
Energieversorger und Experten der Naturschutzbehörde hatten das Nest daraufhin zum Schutz von Tier und Stromleitungen auf eine sogenannte Nisthilfe, eine Art Mast mit kronenartiger Spitze, umgesetzt. Diese hat "Gustav" aber verschmäht und sich kurzerhand den nächsten Strommast gesucht. Zuvor hatte "Tag24" berichtet.
Storchenhorste auf Strommasten kommen häufiger vor
Mittlerweile hat der renitente Storch auch eine Partnerin gefunden, sodass der Familiengründung nichts mehr im Wege zu stehen scheint. Das Tier solle nun dort bleiben, wo es jetzt ist, sagte Sachsen-Energie-Sprecherin Nora Weinhold der Deutschen Presse-Agentur. Da sie nun bereits brüteten, dürften die Störche nicht mehr gestört werden.
Dass Störche Masten besetzen, komme häufiger vor. Allein im Kreis Bautzen gebe es derzeit 22 Storchenhorste auf Strommasten, teilt der Energieversorger auf Anfrage mit. In jedem Fall werde einzeln entschieden, ob die Tiere gefahrlos auf den Anlagen bleiben könnten.
Stromversorger: Nistplatz auf Mast kann für Tiere gefährlich werden
Gefährlich sei der Nistplatz unter Umständen, weil der Vogelkot die Isolierung der Leitungen angreifen und es zu Störungen und Ausfällen im Netz kommen kann. Es bestehe zudem auch die Gefahr, dass die Tiere sich verletzen oder Neste in Brand geraten könnten, so die Sprecherin. Neben Döbra hat Sachsen Energie daher nach eigenen Angaben im Kreis Bautzen in der aktuellen Brutsaison bereits drei weitere Masten mit Nisthilfen errichtet. Ein weiterer sei in Planung.
Sollte es zu Störungen an Gustavs auserkorenem Brutplatz kommen, müssten nun Experten und Expertinnen der Naturschutzbehörde Nest und Tiere zunächst umsiedeln, bevor der Energieversorger reagieren könne, so Weinhold. Der ehrenamtliche NABU-Ornithologe Rolf Schulze erklärt, Störche hätten "ihren eigenen Kopf" und nähmen angebotene Nisthilfen nicht immer an.
Beispiele, bei denen brütende Störche direkt durch Strommasten zu Schaden gekommen seien, kennt er aus seiner Region nördlich von Leipzig bislang nicht. Haben die Tiere einmal einen geeigneten Brutplatz gefunden, kehrten sie in der Regel Jahr für Jahr dorthin zurück. Die Brutzeit der Störche reicht nach seinen Angaben bis in den August, wenn die Jungtiere den Horst verlassen.