Saarland Eltern der vertauschten Babys gefunden


Die leiblichen Eltern der nach ihrer Geburt vertauschten Saarländer Babys sind ermittelt. Durch Gentests konnten die zwei Mädchen den richtigen Paaren zugeordnet werden. Doch das Schwerste steht den Eltern noch bevor: Weihnachten sollen die Babys wieder zu ihren leiblichen Familien zurückkehren.

Wenigstens die Ungewissheit ist nun vorbei: Das zweite in einer saarländischen Klinik vertauschte Baby ist gefunden, die richtigen Eltern sind dank einer Reihe von Gen-Tests ermittelt. "Heute steht zweifelsfrei fest, welches Baby zu welcher Mutter gehört", sagte der Geschäftsführer der St. Elisabeth Klinik, Franz Josef Backes, am Mittwoch in Saarlouis. Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass bereits vor sechs Monaten die beiden Neugeborenen in dem Krankenhaus vertauscht worden waren. Für die betroffenen Eltern ist die dramatische Geschichte aber längst nicht vorbei. Beiden Paaren steht kurz vor Weihnachten der Abschied von dem Kind bevor, das sie monatelang für das eigene hielten - noch leben beide Mädchen bei den falschen Eltern.

Ans Licht gekommen war der Vorfall erst, als ein Mann seine Vaterschaft anzweifelte und einen Gen-Test machen ließ. Dabei wurde festgestellt, dass weder er noch die vermeintliche Mutter mit dem kleinen Mädchen verwandt sind. Für die Eltern ein Alptraum. Fieberhaft gingen die Verantwortlichen der Klinik und des Landkreises Saarlouis auf die Suche. Insgesamt 14 Kinder kamen infrage, alle Eltern wurden benachrichtigt, Proben für Erbgutuntersuchungen wurden abgegeben. Zumindest 13 Paare können aufatmen. Für die betroffenen Eltern aber beginnt nun die schwerste Zeit.

"Den Faktor Mensch können wir allerdings nie ganz ausschließen"

"Die Betroffenen sind geschockt", sagte Landrätin Monika Bachmann. Nun stehe der Schutz der Eltern im Vordergrund. Beide Paare werden psychologisch betreut. Die vorrangige Aufgabe sei, die Kinder und die Eltern zusammenzubringen. "Wir raten allen Betroffenen, sich zuvor beraten zu lassen, sich Hilfe zu holen", sagte Bachmann. Den Kinder gehe es gut. Angaben zu den Eltern machten die Verantwortlichen nicht. "Wir werden weder den Termin noch den Ort des ersten Zusammentreffens nennen."

"Was geschehen ist, darf eigentlich nicht geschehen", sagte Backes. Wie es zu der Verwechslung kommen konnte, ist noch nicht völlig geklärt. Möglicherweise seien etwa beim Waschen die Namensbändchen der Mädchen abgestreift und anschließend falsch zugeordnet wurden. "Wir sind hierüber zutiefst betroffen und geschockt", sagte Backes. Er entschuldige sich im Namen des Krankenhauses bei den betroffenen Familien "für die Sorgen und Ängste, die sie in den letzten Tagen durchlitten haben", sagte Backes. Als Reaktion würden alle Neugeborene nun auch Fußbändchen bekommen, auch die übrigen Sicherheitsmaßnahmen würden überprüft. "Den Faktor Mensch können wir allerdings nie ganz ausschließen."

Sebastian Raabe/DPA DPA

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