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Ohne Zwischenfälle Das war's (vorerst): Punker-Camp auf Sylt ist leer – nach drei denkwürdigen Monaten

Punkercamp in Westerland auf Sylt
Das Punkercamp in Westerland auf Sylt ist Geschichte
© Bodo Marks / DPA
Der Sommer ist vorbei – auch für die Punkerinnen und Punker, die ihn auf Sylt verbracht haben. Ihr Camp im Hauptort Westerland wurde am Mittwoch geräumt, nach drei außergewöhnlichen Monaten.

Aus und vorbei. "Das Camp ist seit 11.13 Uhr leer", sagte eine Polizeisprecherin an diesem Mittwoch dem stern. Mehr als drei Monate hatten Punkerinnen und Punker aus Deutschland auf Sylt Station gemacht, zuletzt lebten rund 20 von ihnen noch auf der Fläche am Rathaus der Inselhauptstadt Westerland. Jetzt zogen sie ab, mehr oder weniger freiwillig.

Zuvor hatte es ein juristisches Hin und Her gegeben, am Ende entschied das schleswig-holsteinische Oberverwaltungsgericht in Schleswig: Das Camp muss geräumt werden.

Punkercamp auf Sylt ohne Zwischenfälle geräumt

Laut Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos) ist die Räumung nach dreimaliger Aufforderung ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Polizei – mit starken Kräften auf der Insel präsent – bestätigte, dass die Beamtinnen und Beamten nicht eingreifen mussten.

Polizei in Westerland auf Sylt
Die Polizei bereite sich in Westerland auf Sylt auf einen Einsatz vor, musste aber letztlich nicht eingreifen
© Bodo Marks / DPA

Mit dem Ende des Punkercamps endet auch ein Sommer, der Sylterinnen, Syltern und Urlaubsgästen gleichermaßen im Gedächtnis bleiben dürfte – nicht nur wegen der Hochzeit von Christian Lindner und Franca Lehfeldt, die ebenfalls zahlreiche Blicke auf die Insel lenkte. Das 9-Euro-Ticket war die Initialzündung für die Punkerinnen und Punker, Sylt einen Besuch abzustatten.

Die Lokalpresse und überregionale Medien berichteten regelmäßig über deren Treiben auf der "Insel der Schönen und Reichen". Es gab etliche Demonstrationen, die zum Beispiel die Umverteilung von Vermögen in Deutschland forderten, Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble traf sich mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Sommercamps, es gab Diskussionsrunden und Konzerte – das alles bei meist traumhaftem Sommerwetter im Norden.

Aufatmen bei Gewerbetreibenden in Westerland

Doch die Präsenz der Szene auf Sylt sorgte auch für Schatten: Es gab Berichte über Pöbeleien und Lärm, immer wieder haben Menschen in der Umgebung des Camps ihre Notdurft verrichtet. Touristen, Gewerbetreibende sowie Insulanerinnen und Insulaner beklagten immer wieder die Zustände – jetzt können sie aufatmen.

Doch bei allem Klagen: Für die Polizei sei der Sommer auf Sylt unauffällig gewesen, auch wenn konkrete Zahlen noch nicht vorlägen. "Ein Ausnahmezustand war es überhaupt nicht", berichtete die Sprecherin dem stern. Bemerkenswerteste Straftat aus dem Umfeld des Camps sei die Verletzung einer Beamtin durch einen Flaschenwurf Ende August gewesen – hierzu liefen die Ermittlungen.

Am Mittwochmittag begannen Mitarbeitende des Westerländer Bauhofs bereits, den Platz im Zentrum der Stadt zu entrümpeln und einzuzäunen. Die meisten der Punks saßen laut Polizei zu dieser Zeit schon im Zug aufs Festland – ohne 9-Euro-Ticket. Geht's für sie im kommenden Sommer zurück nach Westerland? 2023 will die Insel jedenfalls besser vorbereitet sein, meldete das "Hamburger Abendblatt" zuletzt.

Quellen: Polizeidirektion Flensburg, "Hamburger Abendblatt", Nachrichtenagenturen DPA und AFP

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