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B.1.1.7 Britische Corona-Variante ist laut Studien nicht tödlicher – aber deutlich ansteckender

Eine Krankenschwester in blauer Krankenhaus-Kleidung steht mit Mundschutz am Bett einer Corona-Patientin auf der Intensivstation
Melina Lütje, Krankenschwester auf der Intensivstation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, steht am Bett einer Corona-Patientin
© Frank Molter / DPA
Die britische Corona-Variante B.1.1.7 breitet sich auch in Deutschland rasant aus. Zwei neue Studien geben aber nun zumindest bei einer Befürchtung Entwarnung: Obwohl sie deutlich ansteckender ist, stellt sie wohl keine größere Lebensgefahr dar.

Die zunächst in Großbritannien entdeckte Corona-Variante B.1.1.7 ist aktuellen Studien zufolge ansteckender als die ursprüngliche Form, allerdings wohl nicht tödlicher. Zu diesem Schluss kommen Forscher in zwei separaten Studien, die am Dienstag in den Fachmagazinen "The Lancet Infectious Diseases" und "The Lancet Public Health" veröffentlicht wurden. Zuvor hatte es teilweise die Annahme gegeben, die Variante B.1.1.7 sei nicht nur leichter übertragbar als die in Wuhan entdeckte Wildform des Virus, sondern könne auch zu einer höheren Sterblichkeit unter den Patienten führen.

In ihrer Studie untersuchten Forscher des University College London mit PCR-Tests die Viruslast von Infizierten und werteten die in diesem Zeitraum aufgetretenen schweren Verläufe und Todesfälle aus. Bei Infizierten mit der sogenannten britischen Variante stellten sie eine höhere Viruslast fest. Der Anteil der Patienten, die an Covid-19 starben, war jedoch bei der Variante nicht erhöht.

Die Studie sorgt jedoch für Diskussionsstoff unter Forschenden. Einige Wissenschaftler argumentieren, dass die Aussage B.1.1.7 sei nicht tödlicher noch unbelegt sei, da nur hospitalisierte Corona-Patienten ausgewertet wurden und B.1.1.7 die Wahrscheinlichkeit einer Hospitalisierung erhöhen könnte. Nach Angabe von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach halten die Studienautoren dagegen, dass dann auch die Sterblichkeit bei hospitalisierten Personen ansteigen müsste.

Höhere Viruslast

Die andere in "The Lancet" veröffentlichte Studie wertete Symptome von Covid-Patienten aus, die diese über eine App des Gesundheitssystems meldeten. Mittels Gensequenzierung stellten sie zudem fest, an welcher Corona-Variante die Betroffenen erkrankt waren. Auch diese Studie stellte keine signifikanten Unterschiede bei der Schwere der Erkrankung sowie bei nachweisbaren Langzeitwirkungen einer Infektion fest. Die Forscher wiesen jedoch für die britische Variante eine deutliche Erhöhung des R-Wertes nach, der die Entwicklung der Pandemie beschreibt. Das spricht ebenfalls für eine erhöhte Übertragbarkeit der Variante.

Da die Studien beide im vergangenen Winter in London und Südengland durchgeführt wurden, wo sich die Variante B.1.1.7 zu dieser Zeit rapide ausbreitete, hatten die Forscher eine gute Vergleichbarkeit beider Varianten. Allerdings räumen die Wissenschaftler ein, dass zusätzliche Studien nötig seien, um die Erkenntnisse weiter zu bestätigen.

mma DPA

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