Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser!


Nein, Sport habe ich nie besonders gemocht, und Joggen schon gar nicht. Dieses Gerenne und Geschnaufe, nichts für mich. Insgeheim jedoch habe ich sie beneidet, diese Läufer mit den gut durchbluteten Wangen, die so leicht dahintraben und dabei plaudern.

Das schaffe ich jetzt auch. Viel langsamer noch als die Drahtigen, aber ich halte 40 Minuten durch. Eine Leistung, die ich mir nie zugetraut hätte - und auf die ich sehr stolz bin! Ohne individuelle Anleitung und ein Dutzend Trainerstunden hätte ich die Hürde nicht geschafft. 60 bis 80 Euro kosten 90 Minuten, zehn Stunden sind nach Meinung von Experten als Anschub sinnvoll. Das ist nicht eben billig, aber ist der Einstieg in ein gesünderes Leben nicht genauso viel wert wie der vierte Kurzurlaub im Jahr, die Extrafelge am Auto, die Designerlampe? Ich befühle meine neuen Muskeln und sage: Ja. Lesen Sie mehr ab Seite 22.

"Das ist ein Chaoshaus, so wie bei uns. Das Chaos kommt aus Fenstern und Türen heraus", mit diesen Worten hat Paul, 13, sein selbst gebasteltes Haus mit dem roten Dach und den verstopften Fenstern kommentiert. Auch das Hochhaus stammt von ihm. Die Wände schließen sich wie ein Gefängnis um ihn, nur seine Hand schaut oben heraus. Pauls sehnlichste Wünsche sind außen abzulesen: "Viele Freunde". "Keinen Streit mehr". "Eine Mutter, die mehr arbeitet". Paul ist der Sohn einer manisch-depressiven Mutter, und wie viele Kinder, die mit einem psychisch kranken Elternteil leben, hat er kaum vorstellbare seelische Belastungen erfahren.

Wenn ein Kind schwer erkrankt, finden auch die Eltern Hilfe bei Therapeuten oder Selbsthilfegruppen. Kinder kranker Eltern hingegen bleiben in der Regel mit ihrer Not allein. Der Verein Kipkel ist eine Initiative von wenigen, die sich solcher Jungen und Mädchen annimmt. Auch Paul wurde bei Kipkel therapeutisch betreut. Mehr zu diesem Thema ab Seite 92.

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Sabine Kartte print

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