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Britische Studie Einsamkeit im Corona-Lockdown: Jede vierte Person sagt, sie habe keine echten Freunde

Einsamkeit ist eine beträchtliche Gefahr für die Gesundheit: Denn mehr Menschen sterben heute an den Folgen sozialer Isolation als an den Folgen von Fettleibigkeit. Das haben US-Psychologen und Gesundheitsforscher anhand von Studien herausgefunden. Die Wissenschaftler werteten dafür mehr als 200 Studien aus, die sich mit gesundheitlichen Auswirkungen von sozialer Isolation und Einsamkeit beschäftigten. Das Ergebnis: Einsame Menschen haben ein 50 Prozent höheres Sterbe-Risiko als Menschen mit einem großen sozialen Umfeld. Im Gegensatz dazu erhöht Fettleibigkeit die Chance, vor dem 70. Lebensjahr zu sterben um etwa 30 Prozent. „Menschen sollten ihren Ruhestand nicht nur finanziell, sondern auch sozial absichern, da der Arbeitsplatz für viele die wichtigste soziale Gesellschaft bedeutet.“ – Dr. Julianne Holt-Lunstad, Psychologie-Professorin an der Bringham Young University, Utah. Soziale Beziehungen sind ein grundlegendes Bedürfnis für Menschen. Laut Holt-Lunstad sind soziale Bindungen entscheidend für das Wohlbefinden und Überleben jeder Person. Dennoch erlebt ein wachsender Teil der Bevölkerung regelmäßig soziale Isolation. Forscher fordern daher, dass Ärzte dazu ermutigt werden, das Thema „soziale Verbundenheit“ in medizinische Untersuchungen aufzunehmen. Auch die Politik müsse dafür sorgen, dass genügend Räume geschafft werden würden, die das Zusammensein und die Interaktion fördern, wie zum Beispiel Erholungszentren und Gemeinschaftsgärten. „Es deutet vieles darauf hin, dass soziale Isolation und Einsamkeit das Risiko für vorzeitige Sterblichkeit deutlich erhöhen.“ Dr. Holt-Lunstad. Einsamkeit steht auch im direkten Zusammenhang mit anderen Krankheitsbildern. Das belegt eine aktuelle Studie der University of York. Demnach steige das Risiko einsamer Menschen, einen Schlaganfall oder eine Herzerkrankung erleiden, um 30 Prozent.
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Die Corona-Maßnahmen haben nicht nur in Deutschland unser Leben über den Haufen geworfen. Einsamkeit bei Erwachsenen war schon vorher in Großbritannien ein Problem. Wie eine neue Studie bestätigt, hat sich die Situation nun verschlimmert.

Es scheint so, als würde das Leben so langsam fast wieder zum Normalzustand übergehen. Fast. Weiterhin gelten Kontaktbeschränkungen, der Lieblingsclub ist noch geschlossen und das unbeschwerte Sommerfeeling wird sich dieses Jahr eher nicht einstellen. So ist das wohl während einer Pandemie. Worauf man früher vertraute, ist verschwunden und hinterlässt eine Lücke voller Ungewissheit. Mit der Situation umzugehen, fällt vielen schwer. Verständlich. Nie zuvor haben wir in unserem Leben eine vergleichbare Situation erlebt. 

In Großbritannien hat das Kreditinstitut Santander eine Studie mit 2000 Erwachsenen zu den Konsequenzen des Lockdowns durchgeführt. Das Ergebnis: die Corona-Einschränkungen haben das Problem der Einsamkeit extrem verschärft, berichtet "The Independent". Sue Willis, Mitglied der Santander-Stiftung, sagte, die Daten spiegelten die Auswirkungen des Lockdown auf die psychische Gesundheit der Menschen wider. "Es ist herzzerreißend zu sehen, welche Auswirkungen sie auf das Leben und die Freundschaften einiger Menschen hatten", sagt sie. 

Eine von zehn Personen gab zu, Corona-Regeln wegen Einsamkeit gebrochen zu haben

Ein Fünftel der befragten Erwachsenen gab an, von Freunden enttäuscht zu sein, weil sie sich während des Lockdowns nicht gemeldet hätten. 14 Prozent befürchten, dass sie Freunde für immer verloren haben, weil sie sie nicht persönlich besuchen konnten. Einer von zehn Befragten gab zu, wissentlich gegen die Corona-Regeln verstoßen zu haben, um Freunde und Familie zu sehen, weil er sich einsam fühlte. Die Studie ergab auch, dass ein Viertel der Menschen bereits vor dem Lockdown mehrere Tage lang mit niemandem sprach – was sich seit der Einführung der Einschränkungen weiter verschlimmert hat. 37 Prozent gaben an, mehrere Tage ohne sozialen Kontakt verbracht zu haben. Und ja, die traurigste Zahl ist: Ein Viertel sagt, es fühlte sich während des Lockdowns so an, als habe man keinerlei echte Freunde.

"Während Corona Licht auf die Probleme der Einsamkeit geworfen hat, sind wir durch unsere Arbeit mit Wohltätigkeitsorganisationen bemüht, Menschen, die unter Einsamkeit leiden, langfristig zu unterstützen.", sagte Willis zu "The Independent". 

Quelle: "The Independent"

fis

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