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Essstörungen: Anti-Baby-Pille gegen Bulimie?

Frauen mit Bulimie haben psychische Probleme, so lautete bisher die Lehrmeinung der Psychologen. Doch auch der Hormonstoffwechsel scheint eine Rolle zu spielen - die Anti-Baby-Pille könnte helfen, die Fressattacken zu unterdrücken.

Die Essstörung Bulimie hängt offenbar in vielen Fällen mit einem veränderten Hormonstoffwechsel zusammen. Eine Studie des schwedischen Karolinska-Instituts ergab bei jeder dritten Bulimie-Patientin erhöhte Werte des männlichen Sexualhormons Testosteron, das auch an der Appetitregulierung beteiligt ist. Bulimie ist eine der häufigsten Essstörungen. Als Auslöser der Erkrankung, die vorwiegend Frauen betrifft, gelten psychische Faktoren. Daher wird die Störung meist mit Psychotherapie oder Antidepressiva behandelt.

Weniger Heißhunger-Attacken

Nun zeigt die Doktorarbeit der Stockholmer Forscherin Sabine Naessen, dass auch genetische und hormonelle Faktoren zu Bulimie beitragen können. Verglichen mit gesunden Kontrollpersonen hatten Bulimie-Patientinnen ungewöhnlich hohe Testosteron-Werte und vergleichsweise niedrige Konzentrationen des weiblichen Sexualhormons Östrogen.

Eine regelmäßige Einnahme der östrogenhaltigen Anti-Baby-Pille führte innerhalb von drei Monaten bei fast der Hälfte der insgesamt 21 Patientinnen zu einem deutlichen Rückgang der charakteristischen Heißhunger-Attacken, wie das Institut berichtet. Drei Frauen wurden vollständig beschwerdefrei. "Das ist ein sehr deutlicher Effekt", so Naessen. "Eine Hormonbehandlung könnte sehr gut eine Alternative zur kognitiven Verhaltenstherapie sein."

AP / AP
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