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Foodwatch über Kinderlebensmittel: Nichts als Fett- und Zuckerbomben

Zu süß, zu fettig - und alles andere als kindgerecht: Die großen Lebensmittelkonzerne bewerben laut Foodwatch meist ungesunde Kinderlebensmittel. Dabei hatten sie vor einigen Jahren Besserung versprochen.

Alles andere als gesund: Trotz Selbstverpflichtung bewerben die Hersteller Kinderlebensmittel, in denen reichlich Fett und Zucker stecken.

Alles andere als gesund: Trotz Selbstverpflichtung bewerben die Hersteller Kinderlebensmittel, in denen reichlich Fett und Zucker stecken.

Müslis, Milchriegel, Quark: In den Supermarktregalen stehen zahlreiche Produkte, die sich gezielt an Kinder richten. Die Verpackungen werben meist mit einem Zusatznutzen - etwa mit extra viel Milch für starke Knochen. Das klingt zunächst gut. Doch die meisten dieser Produkte sind alles andere als kindgerecht.

Viele Kinderlebensmittel sind wahre Fett- und Kalorienbomben. Statt dem Körper wertvolle Nährstoffe zu liefern, sorgen sie für Hüftgold. 15 Prozent der Kinder sind in Deutschland übergewichtig, rund ein Drittel davon fettleibig. Verglichen mit den achtziger und neunziger Jahren hat sich der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent erhöht, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Übergewicht im Kindesalter ist im wahrsten Sinne des Wortes ein fettes Problem - bedingt durch zu wenig Bewegung und falsche Ernährung.

Selbstauferlegtes Werbeverbot zeigt kaum Wirkung

Seit 2007 haben sich Lebensmittelhersteller freiwillig eine Selbstbeschränkung auferlegt: Für Kinderlebensmittel soll demnach verantwortungsvoll geworben werden, so steht es im sogenannten EU Pledge. Darin haben Branchenriesen wie Kellogg’s, Ferrero, Nestlé und Coca-Cola eigene Richtlinien festgelegt. So sollen Lebensmittel, die sich an Kinder unter zwölf Jahren richten, bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen.

Doch wie so oft dient eine solche Selbstverpflichtung mehr als Feigenblatt, Wirkung zeigt sie nicht. Das belegt eine Untersuchung von Foodwatch: Hersteller, die den EU-Pledge unterzeichnet haben, bewerben trotzdem weiterhin fast ausschließlich ungesunde Produkte gezielt an Kinder. Von 281 untersuchten Kinderlebensmitteln sind 252 nicht ausgewogen, zumindest wenn man die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde legt.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die WHO erlaubt lediglich einen Zuckergehalt von 15 Prozent, im EU-Pledge ist das lockerer gehandhabt: Hier sind 30 Prozent noch in Ordnung. Auch bei fettigen und salzigen Chips sieht die Selbstverpflichtung kein Problem. Das führt dazu, dass ungesunde, fettreiche Snacks und Frühstücksflocken, die zu rund einem Viertel Zucker enthalten, nach wie vor an Kinder beworben werden dürfen.

Gewinnspiele und Comicfiguren ködern Kinder

Für klassische Werbung, etwa im Fernsehen, gibt es laut Pledge zwar Einschränkungen. Doch die Gestaltung der Verpackung und Werbung im Supermarkt sei ausgenommen, kritisiert Foodwatch. Damit stehen den Herstellern noch zwei wichtige Marketingwege zur Verfügung, die sie geschickt nutzen: Comicfiguren und Gewinnspiele auf den Verpackungen richten sich meist gezielt an Kinder und sorgen dafür, dass auch ungesunde Lebensmittel im Einkaufswagen landen.

Die Organisation bemängelt zudem die niedrig angesetzte Altersgrenze: Das Werbeverbot sollte nach Einschätzung der Verbraucherschützer nicht nur bis 12, sondern bis 16 Jahre gelten. Außerdem hätten längst nicht alle Branchengrößen die Selbstverpflichtung unterzeichnet: Haribo, Dr. Oetker oder Bahlsen etwa würden fehlen.

"Ein trauriges PR-Manöver"

"Die meisten 'Kinderlebensmittel' sind keine Lebensmittel, sondern schlichtweg Süßigkeiten", erklärt dazu Dietrich Garlichs, der Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Er fordert, das Marketing für Kinderlebensmittel per Gesetz einzudämmen - "sonst werden wir die Welle der Fehlernährung und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen nicht stoppen."

Dem Wunsch nach gesetzlicher Regulierung schließt sich auch Foodwatch an. Das Unterzeichnen von Selbstverpflichtungen sei "ein trauriges PR-Manöver, das nur von der eigenen Verantwortung ablenken soll", so Oliver Huizinga, der Experte für Kindermarketing bei Foodwatch.

ikr/lea
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