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Stern Logo Gesundheits-Mythen im Check - Tatsache oder Trugschluss?

Tatsache oder Trugschluss: Gehören Hygienespüler zu jedem Waschgang?

Mit Waschmittel allein wird die Wäsche nicht richtig rein und sauber. Ohne Hygienespüler geht es heute nicht, denken viele. Was meinen Sie? Tatsache oder Trugschluss?

Von Sonja Helms

Hygiener sind im Normalfall unnötig - oft schaden sie sogar. Nur in Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, sie einzusetzen.

Hygiener sind im Normalfall unnötig - oft schaden sie sogar. Nur in Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, sie einzusetzen.

Macht abends essen dick? Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken? Gibt es süßes Blut? stern.de nimmt in loser Reihenfolge Alltagsmythen unter die Lupe. Zuerst lassen wir Sie, die Leser, darüber abstimmen. Auf der nächsten Seite finden Sie die Auflösung des Mythen-Checks.

Gehören Hygienespüler zu jedem Waschgang?

Lesen Sie auf der nächsten Seite, ob es wirklich nötig ist, beim Wäschewaschen regelmäßig Hygienespüler einzusetzen.

Hygiener sind im Normalfall unnötig - oft schaden sie sogar. Nur in Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, sie einzusetzen.

Hygiener sind im Normalfall unnötig - oft schaden sie sogar. Nur in Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, sie einzusetzen.

Die Angst vor Keimen sitzt bei vielen Verbrauchern tief. Wo diese Biester nicht überall lauern: im Kühlschrank, auf Schneidebrettern, im Bad, sogar auf der Tastatur! Und erst recht in der Wäsche, vor allem in Putzlappen, Unterwäsche oder Babykleidung. Wie kommt man denen am besten bei? Vom Kochen der Wäsche wird abgeraten – das ist Energieverschwendung. Ein Waschgang mit 60 Grad genügt. Allerdings ist dies für viele Kleidungsstücke zu heiß, laut Etikett sollen es nur 30 oder 40 Grad sein. Kann Wäsche bei dieser Temperatur überhaupt richtig rein werden? Auf der anderen Seite versprechen Hersteller der desinfizierenden Zusätze, dass ihre Mittel 99,9 Prozent der Keime beseitigen – und das schon bei 15 Grad. Also greift der hygienebewusste Verbraucher zur Flasche, im Glauben, sich und seiner Familie damit etwas Gutes zu tun. Manche setzen Hygienespüler bei jedem Waschgang ein, wie in Foren oft zu lesen ist.

Das ist aber nicht nötig. Mehr noch, es schadet sogar: der Umwelt, der Gesundheit – und nicht zuletzt dem Geldbeutel. "In einem normalen Haushalt mit gesunden Personen braucht man diese Mittel nicht – nicht einmal für Unterwäsche", sagt Marcus Gast, Sachverständiger am Umweltbundesamt in Dessau. "Die Bakterien auf der Kleidung stammen von der Haut des Trägers selbst. Und da er sich selbst nicht desinfiziert, muss auch seine Kleidung nicht keimfrei sein."

Nur in Ausnahmefällen desinfizieren

Bei manchen Textilien muss man aber stärker auf die Hygiene achten, insbesondere bei Küchentüchern, die mit Keimen aus Lebensmitteln belastet sein können, und bei Wäsche von Babys und Kleinkindern. Dasselbe gilt für die Kleidung von akut erkrankten und hoch ansteckenden Familienmitgliedern und solchen mit geschwächtem Immunsystem, etwa älteren oder kranken Personen.

In solchen Fällen genügt es aber, die Kleidung mit einem bleichmittelhaltigen Vollwaschmittelpulver bei mindestens 40 Grad zu waschen - bei 30 Grad sind die Bleichmittel nicht aktiv genug. "Das tötet alle Bakterien ab", sagt Gast. "Es muss aber tatsächlich ein Vollwaschmittelpulver sein. Flüssigwaschmittel enthalten diese Bleichmittel nicht und sind daher ungeeignet." Dasselbe gilt für Colorwaschmittel, egal ob als Pulver oder flüssig.

Ein weiterer Ausnahmefall sind Pilzerkrankungen. Hier sollte die Wäsche des Betroffenen separat bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, ebenfalls mit bleichmittelhaltigem Vollwaschmittel. Doch wenn alle gesund ist, kann die Wäsche auch bei 20 oder 30 Grad gewaschen werden, und alles ist in bester Ordnung.

Die Wirkstoffe belasten Gesundheit und Umwelt

Ein Hygienespüler ist nicht nötig, wenn man diese Regeln berücksichtigt. "Eigentlich sollten diese Mittel nur zum Einsatz kommen, wenn spezielle, empfindliche Textilien nicht heiß oder mit bleichmittelhaltigem Vollwaschmittel gereinigt werden dürfen", sagt Gast. Etwa wenn ein Kleinkind, das am Norovirus erkrankt ist, auf den edlen Kaschmirpullover oder Seidenschal gespuckt hat. Dann empfiehlt der Chemiker aber, den Pullover ein weiteres Mal auszuspülen, um wiederum die Wirkstoffe des Hygienespülers zu entfernen. Denn worüber sich viele Verbraucher nicht im Klaren sind: Diese desinfizierenden Stoffe sind der Gesundheit nicht besonders zuträglich. Sie können Hautreizungen auslösen – oder sogar allergische Reaktionen. "Problematisch wird es auch bei starker, dauerhafter Anwendung", sagt der Sachverständige. "Bestimmte Wirkstoffe können bei unsachgemäßem Gebrauch der Gesundheit schaden."

Nicht zuletzt belasten diese desinfizierenden Mittel der Umwelt – in erheblichem Maße. "Das sind Giftstoffe, die sich häufig nur schwer abbauen lassen, selbst in Kläranlagen", sagt Gast.

Fazit:

Hygienespüler sollten nur im Ausnahmefall eingesetzt werden. Wer die wichtigsten Hygienemaßnahmen beim Wäschewaschen beachtet, braucht sie nicht.

Es ist übrigens keine gute Idee, Essig in das Spülfach der Waschmaschine zu geben – ein Tipp, der auch immer wieder durch Foren geistert. "Der Essig bringt nichts, und wenn es Essigessenz ist, kann dies sogar die Gummiteile angreifen", sagt Gast.

Er rät darüber hinaus, die Maschine mindestens einmal im Monat bei 60 Grad mit einem Vollwaschmittelpulver durchlaufen zu lassen, zum Beispiel wenn man Handtücher oder Bettwäsche reinigt. Dies verhindert, dass sich ein Biofilm bildet und Keime verschleppt werden. Dass man stark verschmutzte Putzlappen und Unterwäsche nicht unbedingt zusammen mit empfindlichen Teilen kalt wäscht, dürfte ohnehin jedem klar sein.

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