Lexikon Die Begriffswelt der chinesischen Heilkunde


Konfuzius sagt... Ja, was denn? Und wofür stehen Yin und Yang? Das Lexikon erklärt die wichtigsten TCM-Begriffe.

Acht Leitkriterien (= "Acht Grundmuster")

Sollen erste Anhaltspunkte geben, welche Störung vorliegt. Beurteilt werden "innere und äußere Disharmoniemuster". Tritt die Krankheit plötzlich auf, ist sie begleitet von Frösteln oder Fieber, Kopf- oder Leibschmerzen, dünnem Zungenbelag oder oberflächlichem Puls, weist dies laut TCM-Theorie auf eine äußere Erkrankung hin. Innere Erkrankungen werden durch emotionale Störungen hervorgerufen und treten oft in Verbindung mit chronischen Erkrankungen auf. Anzeichen sind Leibschmerzen, Erbrechen, Veränderungen im Stuhl oder Urin, tiefer Puls, Veränderungen des Zungenkörpers. Weiterhin gehören zu den acht Grundmustern Mangel oder Übermaß an Qi oder " Blut-Xue. Mangelzustände werden meist mit chronischen Krankheiten assoziiert, Übermaß mit akuten. Des Weiteren beurteilt der TCM-Mediziner Hitze und Kälte sowie als übergeordnetes Kriterium Yin- und Yang-Disharmonien. Kälte wird in Verbindung gebracht mit langsamen Bewegungen, blassem Gesicht, kalten Händen und Füßen, wässrigem Stuhl. Hitze soll sich in schnellen, erregten Bewegungen, rotem Gesicht, hohem Fieber, Reizbarkeit, Durst, Verstopfung ausdrücken. Yin-Muster entstehen laut TCM aus der Kombination von inneren, Mangel- und Kältezeichen, Yang-Muster aus äußeren, Übermaß- und Hitzesymptomen. Schulmedizinisch verlässlich sind diese Einteilungen nicht.

Dreifacher Erwärmer

Nach chinesischer Lehre ein Organ, das "einen Namen, aber keine Form" hat. Es soll Nahrung und Flüssigkeit weitergeben. Anatomisch gibt es dieses Organ nicht.

Fünf Elemente

Die Theorie der fünf Elemente geht zurück auf die Morallehre des Konfuzius und ist beschrieben in der Bibel der TCM, dem " Huang Di Nei Jing. Jeder Vorgang in der Welt wird fünf symbolischen Elementen zugeordnet: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Ihre permanente Wechselwirkung soll zusammen mit der taoistischen Theorie von Yin und Yang alle Vorgänge und Veränderungen in der Natur erklären.

Huang Di Nei Jing

"Der innere Klassiker des Gelben Kaisers" gilt als Bibel der Traditionellen Chinesischen Medizin. Das Buch wurde zwischen 300 und 100 v. Chr. von unbekannten Autoren zusammengetragen und ist das Äquivalent zu den Schriften des griechischen Arztes Hippokrates in der europäischen Heilkunde. Es gilt als der älteste Text der chinesischen Medizin.

Hua Tuo

(141-208 n. Chr) Der chinesische Arzt gilt als einer der Begründer der Chirurgie in China. Er soll bereits schmerzstillende Betäubungsmittel als "narkotische Suppen" entwickelt haben. Die Originalrezepte sind allerdings verloren gegangen.

Klimatische Exzesse

Umweltfaktoren, die beim Krankwerden eine Rolle spielen sollen, wie Wind, Feuchtigkeit, Hitze, Trockenheit, Kälte und Sommerhitze. Wenn der Körper durch eine Disbalance von Yin und Yang geschwächt ist, kann nach Vorstellung der TCM ein bösartiger Einfluss eindringen und Schaden anrichten.

Konfuzius

(um 551- um 479 v. Chr.). Der chinesische Philosoph begründete ein streng geordnetes System von Regeln und ethischen Grundsätzen. Die Lehre der fünf Elemente mit ihren Beziehungen von Kontrolle und Unterordnung hat ihre Wurzeln im Konfuzianismus.

Meridian-Uhr

Sie zeigt an, um welche Uhrzeit das " Qi durch welche Organe und die dazugehörigen Meridiane fließen soll. Wacht ein Patient regelmäßig nachts um vier auf, würde dies zum Beispiel auf eine Störung des Funktionskreises der Lunge hinweisen.

Pulsdiagnose

Im Gegensatz zum schulmedizinischen Puls kennt die TCM bis zu 32 verschiedene Pulskombinationen. Gefühlt wird mit Zeige-, Ring- und Mittelfinger an der Hauptschlagader am Handgelenk beider Arme, sowohl an der Oberfläche als auch in der Tiefe. Macht insgesamt zwölf Pulse, die Auskunft geben sollen über den Zustand der inneren Organe.

Qi

Eine genaue Übersetzung des Begriffes gibt es nicht. Am häufigsten wird es als Lebensenergie bezeichnet. Es soll durch die Meridiane fließen und alle Organe versorgen. Fließt das Qi ausreichend und ungehindert, ist der Mensch nach Vorstellung der TCM gesund. Ein gestörter Qi-Fluss oder ein Qi-Mangel machen krank.

Sieben Emotionen

Ein Übermaß an Ärger, Kummer, Schwermut, Angst, exzessiver Freude, Furcht und Traurigkeit gelten als krankmachende Faktoren. Sie sollen das Qi aus dem Gleichgewicht bringen und die Organe beeinträchtigen - besonders empfindlich reagieren Herz und Leber. Die dadurch verursachten "inneren" Erkrankungen sind nach TCM-Auffassung häufig chronischer Natur.

Xue

Wird oft mit "Blut" übersetzt, entspricht aber nicht dem schulmedizinischen Begriff. In der traditionellen chinesischen Medizin gibt es kein Blutbild mit Blutfett, -gerinnungs- oder anderen Werten. Das Xue wird aus der Nahrung gewonnen. Es reift im Magen und wird dann als Essenz in der Milz destilliert, zur Lunge transportiert und vermischt sich dort mit dem Atem-Qi zum endgültigen Xue.

Yin und Yang

Die Theorie von Yin und Yang ist der Eckpfeiler der TCM. Die beiden Gegensätze bringen einander hervor und ergänzen sich. Sind sie im Gleichgewicht, ist der Mensch gesund. Yin, wörtlich "die schattige Seite eines von der Sonne beschienenen Berges", steht für das Innere, Kälte, Blässe, Leere, Dunkel, Nacht, das Ruhige, das Weibliche. Im Gegensatz dazu ist Yang "die sonnige Seite des Berges" und wird mit außen, Fülle, Hitze, Rötung, dem Tag, dem Hellen, Aktivität und dem Mann assoziiert. Yin ist Wasser, Yang Feuer. Jedes Organ ist einem der beiden Prinzipien zugeordnet.

Zang-Fu-Organe

Die "Theorie der inneren Organe" ist das Herzstück der TCM. Allerdings hat sie nichts mit den anatomischen Erkenntnissen der Schulmedizin zu tun. Man unterscheidet zwischen den sechs "festen" Organen (zang) und den sechs "hohlen" Organen (fu). Die Zang-Organe sind dem Yin zugeordnet und sind Herz, Lunge, Leber, Niere, Milz und Herzbeutel (Perikard). Sie produzieren und speichern die Lebensenergie Qi. Die Fu-Organe sind Dünndarm, Dickdarm, Gallenblase, Harnblase, Magen und " Dreifacher Erwärmer. Sie spalten Nahrung und besorgen die Verdauung. Die zwölf "Organe" bilden sechs Paare. Sie werden, mit Ausnahme von Dreifachem Erwärmer und Herzbeutel, von einem der fünf Elemente dominiert und spiegeln deren entsprechende Eigenschaften wider.

Zungendiagnose

Neben der Pulsdiagnose wichtigste Untersuchungsmethode in der TCM. Die Form des Zungenkörpers soll Aufschluss geben über energetische Schwächen, Stauungen, und den Zustand der einzelnen Organe. Anhand von Zungenbelag und -farbe erkennt der Therapeut "Hitze"- oder "Kälte"-Schädigungen und ob "Feuchtigkeit" oder "Trockenheit" vorliegen. Bisher liegen keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor, die die Grundlage der TCM-Zungendiagnostik stützen.


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