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Oben ohne: Endlich heiße Dessous für Epithesenträgerinnen

Schöne Dessous für brustoperierte Frauen - das gab es bis jetzt kaum. Liebestöter statt sexy Unterwäsche war eher die Regel. Schön, dass sich das geändert hat, findet Uta Melle.

„Es sollte keinen Unterschied im Angebot von Dessous für brustoperierte Frauen und für „normale“ Frauen geben. Das ist mein Ideal und Wunsch. Das ist was ich im Sinn habe, seit ich 1994 als Designerin tätig bin„ sagt Ada van Moorst zu Recht.

Bisher konnte man fast nur Produkte finden, die in die Kategorie „Liebestöter“ gehören. Meine Mami hat sich oft darüber beschwert. Vor kurzem wurde ich auf die Ada van Moorst Exclusive Collection aufmerksam gemacht: wie schön, dass sich die Zeit geändert hat.

Ada van Moorst machte aus ihrer eigenen Not eine Tugend. Sie erkrankte 2009 an Brustkrebs und stellte fest, dass man nur BH’s für kaufen konnte, die noch nicht mal ihrer Mutter gefallen würden. Seit 2010 entwirft sie hochwertige Kollektionen, die immer professioneller wurden: wunderschöne, vielseitige Schnitte mit hochwertigen Stoffen - von sportlich über supersexy bis 1001 Nacht - alles, was Frauen- und Männerherzen höher schlagen lässt - für Epithesen-Trägerinnen und für Frauen mit Brustnachbau. Den Unterschied zu „normalen“ Kollektionen minimiert sie, in ihren Entwürfen unterstreicht sie die Weiblichkeit, um die Frau im Aufbau des Selbstbewusstseins zu unterstützen.

Der Weg bisher war nicht leicht: die „sexy Epithese-Lingerie“ untersteht noch immer einem Tabu in der Öffentlichkeit. Bisher musste Ada ihre Arbeit größtenteils selbst finanzieren. Davon lässt sie sich aber nicht abhalten: Dezent bitte sie lediglich darum, sich die Modelle einfach anzusehen – das überzeugt Betroffene.

Natürlich sind ihre Designs erprobt: von ihr selbst! Ihr Mann findet ihre Entwürfe toll. Er weiß zu schätzen was Weiblichkeit und schöne Dessous gemeinsam haben. So sagt er dass für die Partner im allgemeinen Dessous keine fünf Minuten Erfahrung ist - eher ein ununterbrochenes Erlebnis.

Warum gibt es nicht noch mehr solcher Kreationen? Ich habe ja schon oft auf die tollen finnischen Monokini2.0 aufmerksam gemacht.

Es gab mal ein schönes Projekt „Amazons in fashion“,das war allerdings eher künstlerisch. Ansonsten habe ich bei meiner langen Suche immer nur Brustkrebs-Kleidung oder Schmuck gefunden, die einen Bezug zur Sache haben – wie die tolle „fuck cancer-Kollektion" von Myriam von M oder „pinke“ Brustkrebsschleifen-Sachen.

Mit 85.000 Neuerkrankungen im Jahr allein in Deutschland müsste das Interesse sogar an Designerstücken hoch sein, die Brust-Epithesen berücksichtigen oder die darauf eingehen, dass ein, bzw gar kein Busen mehr da ist.

Ist das nicht eine echte Herausforderung für Modedesigner?

Man findet hier und da Designer und Modeketten, die sich im Brustkrebsbereich engagieren – wieso entdecken diese nicht das eigentliche Manko? Das würde echten Respekt zeigen.

Ich freue mich auf jeden Fall sehr über Ada van Moorst Kollektion und danke ihr sehr für ihren gelungenen Tabubruch.

In Deutschland kann man ihre Dessous bei Seamless Secrets in Essen, Sanitätshaus Tonn in Düsseldorf, le Néné in Stuttgart und Langdessous in Emmelshausen erwerben.

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