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Oben ohne: Fatigue – die Leere nach dem Sturm

Keine Termine mehr, der Körper geschwächt: Die große Leere kam für Uta Melle nach der Chemo. Acht Monate dauerte es, bis sie wieder ins Leben fand - was sie anderen Krebspatienten rät.

Ich weiß nicht, wie es anderen Krebspatienten ging – bei mir kam die große Leere nach der Chemo. Nach den Behandlungen. Während der Therapie geht man jede Woche zu irgendwelchen Untersuchungen, Infusionen, Checks – dann kommt die Infusion, Bestrahlung, die letzte Untersuchung – der höchste Giftstand ist erreicht und du fragst – wie gewohnt – nach dem nächsten Termin. Die Antwort: Rufen Sie mal in ein paar Wochen an. Was? Wer kümmert sich jetzt? Was ist jetzt? Was passiert mit mir? Die Antwort: Abwarten!

Aha. Körperlich geht es einem extrem dreckig – wie gesagt: höchster Chemogiftstand – und für die Ärzte ist man nun nicht mehr interessant, da sie ja jetzt erst mal nichts mehr machen können – ist ja klar. Erste Depressionen kommen durch die entstehende Leere in fataler Kombination mit dem schwachen Körper. Eigentlich müsste es einem doch besser gehen, denkt man - und noch mehr denkt es das Umfeld, denn du siehst ja nicht mehr so krank aus: die Haare wachsen ja wieder, deine Haut ist strahlend (durch das viele Kortison) außerdem haben sie das Leiden nun schon lange genug mit angesehen. Weil ich mir nichts mehr merken und ich mich zu nichts mehr aufraffen konnte, fing ich an mir alles aufzuschreiben, was ich am nächsten Tag erledigen wollte. Leider habe ich festgestellt, dass ich davon immer nur ca. 20% erledigte. Das festzustellen ist nicht gerade aufmunternd. Da man in der Zeit nicht so viel Kraft hat, sich dem entgegen zu stellen, breitet sich die Depression schnell aus. Man zieht sich noch mehr zurück – auch das hilft nicht. Diese Verkettung der Ereignisse nennt man Fatigue. Ich habe erst nach meiner Reha – 8 Monate nach der Chemo – wieder richtig ins Leben finden können. Hätte ich mich vorher irgendwie mit Sport oder anderen Aktivitäten da rausretten können? Ich weiß es nicht.

Mein Tipp: bei vielen wird es nun mal eine blöde Zeit - versuch sie dir so angenehm und entspannt wie möglich zu machen. Versuch Sport zu machen, aber quäl Dich nicht - wenn es nicht geht, dann eben nicht. Erkläre deinem Umfeld, was los ist. Guck dir Filme und Serien an, die du bisher nicht sehen konntest, weil du keine Zeit hattest oder sie Dir zu doof waren! Versuch die Spannung, den Druck und das Drama aus deinem Leben zu verbannen. Vielleicht geht es dann besser. Ich drücke alle Daumen! Und liebes, wunderbares, begleitendes Umfeld: bitte habt noch ein wenig Geduld. Ihr seid wunderbar!

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