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Oben ohne: Krebserkrankung öffentlich machen?

Krank zu sein wird noch immer als Makel gesehen, findet Uta Melle. Viele verschweigen es. Dabei sollte es möglich sein, darüber zu sprechen - frei von gesellschaftlichen Konsequenzen.

Gestern gab es ein interessantes Interview mit der ehemaligen französischen Familienministerin Dominique Bertinotti. Sie berichtet darin von ihrer Brustkrebserkrankung: „Ich wollte nicht, dass die Krankheit in den Mittelpunkt meines Leben und meiner Politik gerückt wird“

Als aktive Politikerin verheimlichte Frau Bertinotti ihre Erkrankung, um weiterhin in der Phase ihres Kampfes für die Homoehe – der viel Kraft kostete und in dem der Krebs keine Angriffsfläche für konservative Gegner bieten sollte - ernst genommen zu werden. Sie ging sofort an die Öffentlichkeit, als sie aus dem Amt austrat.

Unabhängig davon, dass ich glaube, dass Frau Bertinotti sehr richtig gehandelt hat, zeigt es doch zwei bestürzende Tendenzen. Erstens: Der Glaube an die physische Stärke scheint noch immer ungebrochen zu sein. Im inneren Zirkel der Macht ist man nicht krank! Krankheit ist Schwäche! Was sie an neuen Erfahrungen und erweiterten Einsichten mit sich bringt, scheint keine Rolle zu spielen!

Und zweitens: Krankheit wird noch immer als Makel gesehen, der unseren sozialen Status mitbestimmt. Und damit bleibt Kranksein immer auch ein gesellschaftliches Problem.

Und das ist mein Punkt: Ich wünsche mir eine Zukunft, in der man sich frei von politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen entscheiden kann, wie man mit seiner Krankheit umgeht.

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