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Oben ohne: Studie bestätigt Langzeitfolgen nach Brustkrebs

Früh erkannt, lässt sich Brustkrebs gut heilen. Doch wie steht es um die Nachsorge? Uta Melle kann aus eigener Erfahrung berichten, dass einiges im argen liegt. Das bestätigt auch eine Studie.

Viele Brustkrebspatientinnen leiden unter Beschwerden wie Schmerzen, postmenopausale Symptome, psychosoziale Belastung, Depressionen, Schlafstörungen oder Fatigue, besagt die im deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Studie des Koblenzer Institut für Versorgungsforschung in der Onkologie. Eine sehr gute Zusammenfassung finden Sie hier.

Ja, das habe ich alles quasi schon in meinen Beiträgen geschrieben – doch bisher konnte ich das lediglich mit vielen Stimmen aus den Foren oder anderem Meinungsaustausch belegen. Nun haben wir es schwarz auf weiß. Der Anfang der Änderung ist getan. Eine zweite Studie für die Gegenüberstellung der Ist-Nachsorge ist für 2015 vorgesehen.

Dazu muß ich beschreiben, wie die Nachsorge heutzutage aussieht.

Mindestens einmal im Jahr macht man einen Termin zur Nachsorge. Hier fängt das Nervenzittern bei mir an, welches erst aufhört, wenn das Ergebnis da ist. Das dauert allerdings ca einen Monat. Am Anfang hatte ich das System noch nicht durchblickt – da waren es noch 2 Monate, denn ich habe mich - mit Überweisungen ausgestatten – zu den Untersuchungen einzeln begeben müssen. Also: Onkologe, Röntgen, Ultraschall, anderes Röntgen, Onkologe zur Auswertung – Horror hoch 3. Inzwischen habe ich einen „Deal“ mit einem Krankenhaus, so dass ich alle nötigen Untersuchungen gleich da machen kann – ich würde sonst durchdrehen.

Dies ist nur die Beschreibung der physischen Nachsorge. Eine andere gibt es nicht. Ob es mir gut geht, ob ich arbeiten kann, wie es mit der Fatigue aussieht, ob ich eine Depression habe – das hat mich noch keiner gefragt. Auch die Studie kommt zu dem Fazit, dass "Erfassung und zielgerichtete Therapie dieser Einschränkungen integraler Bestandteil einer qualitativ hochwertigen Nachsorge sein sollte".

Ich habe schon oft von Menschen gehört, die nach der Krebserkrankung eingegangen sind. Sie konnten die physischen Belastungen, die der Krebs und die Therapien mit sich bringen, nicht überwinden. Ein kleines Rezidiv kann hier schon tödlich sein.

Ich bin 1 Jahr nach meiner Diagnose zur Reha gegangen. Dort war ich überrascht: es gab Sport und Massagen, aber Psychotherapietermine musste ich mir erkämpfen. Für 4 Wochen Reha war höchstens 1 Termin vorgesehen. Da war ich sprachlos!

Die neue Studie besagt auch, dass jüngere Patienten mit ihrer Diagnose schlechter zurecht kommen, als ältere. Das finde ich besonders dramatisch, denn Frauen in der Altersklasse tragen meist viel Verantwortung für Job und Familie. Das Leben wird schwer. Kaum zu ertragen. Ich bin der Meinung, dass hier eine psychotherapeutische Behandlung oft nötig ist.

Mit 2 schönen Ergebnisse der Studie möchte ich schließen: positive Veränderungen konnten für Paarbeziehungen, die nach Diagnose bestehen bleiben, festgestellt werden und im pysischen, wie psychischen Wohlbefinden nach der Operationstechnik (Brusterhaltend, Einbrüstig, Nullbrüstig) gab es keine nennenswerten Unterschiede.

Insgesamt freue mich sehr über die Studie von Herrn Feiten und seinem Team, denn sie ebnet den Weg in die richtige Richtung. Da freue mich schon auf die nächste!

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