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Ratgeber: Machen Sie das Beste aus dem Arztbesuch

Ärzte klagen über finanzielle Probleme, Patienten fühlen sich schlecht behandelt. Experten diskutierten beim "1. Tag der Forschung in der Hausarztpraxis", wie sich das Verhältnis zwischen Arzt und Patient verbessern lässt. Herausgekommen sind ein paar ganz praktische Vorschläge.

Von Marika Muster

Das Verhältnis von Arzt und Patient hat sich grundlegend geändert. "Früher gab es ausschließlich das paternalistische Modell, bei dem der Arzt allein über die Behandlung des Patienten entschieden hat. Heute können und wollen Patienten mitbestimmen", sagt Nikolaus Koneczny, Facharzt für Innere Medizin und Gesundheitswissenschaftler an der medizinischen Fakultät der Universität Witten/Herdecke ." Dies belegen mehrere Umfragen, etwa die PIA-Studie (Patienteninformation in der Allgemeinmedizin; 2005), bei der 76,5 Prozent der Befragten angaben, sich an Therapieentscheidungen beteiligen zu wollen. Inzwischen haben Universitäten sogar die Medizinerausbildung entsprechend angepasst: Angehende Ärzte lernen, auf die Bedürfnisse des Patienten einzugehen und ihn mitentscheiden zu lassen. Was kann man als konrekt Patient tun, um die Behandlung zu verbessern?

Die richtigen Fragen stellen

Durch das veränderte Gesundheitssystem müssen Ärzte in der gleichen Zeit mehr Patienten behandeln als früher. Laut einer Studie des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen sind das bei Allgemeinmedizinern ca. 240 pro Woche, ein Gespräch dauert im Schnitt acht Minuten. Effektiv nutzen kann der Patient die knapp bemessene Zeit, indem er sich auf das Gespräch gut vorbereitet. "Informieren Sie sich mit Hilfe von Patientenbroschüren oder im Internet", empfiehlt Koneczny. "Achten Sie dabei aber auf Qualität." Informationen sollten von unabhängigen Einrichtungen stammen und nicht von Herstellerfirmen (im Impressum nachsehen). Zwei Qualitätssiegel für Gesundheits-Webseiten sind das HON-Siegel (Health on the net foundation) und das Afgis-Logo (Aktionsforum Gesundheitsinformationssysteme). Wichtig: Die eigene Recherche hilft zwar, die richtigen Fragen zu stellen, ersetzt aber nicht den Arztbesuch.

Die Fragen formuliert man am besten vorab und schreibt sie sich auf - ebenso wie später die Antworten und Behandlungsvorschläge des Arztes. Ist eine Diagnose gefunden, helfen spezielle Broschüren bei der Risikoabschätzung. Sie zeigen Vor- und Nachteile einzelner Behandlungsmethoden auf. Patienten können sich ausreichend Zeit nehmen, bevor sie sich entscheiden. Wenn der Arzt auf wichtige Fragen nicht ausreichend eingeht, ist es Zeit, eine zweite Meinung einzuholen - oder einfach den Arzt zu wechseln. "Kein Patient muss in einer Praxis bleiben, in der er sich schlecht behandelt fühlt", betont Koneczny. "Wir haben die freie Arztwahl."

Mehr Eigenverantwortung übernehmen

Durch die zunehmende Zahl an älteren und kranken Menschen wird das Gesundheitssystem zunehmend belastet. "Während Patienten früher eher eine passive Konsumhaltung hatten, muss heutzutage jeder Einzelne Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen", sagt Koneczny. Prävention - allen voran ein gesunder Lebensstil - spielen deshalb eine immer größere Rolle. Wer bereits krank ist, sollte versuchen, Experte für seine Erkrankung zu werden. So kann ein Patient mit Herz-Kreislaufbeschwerden z.B. lernen, den Blutdruck selbst zu messen und einzuschätzen. Diese Form der Eigenverantwortung entlastet nicht nur das System, sondern macht den Patienten unabhängiger.

Auch die Behandlungsqualität bei Notfällen lässt sich entscheidend verbessern, wenn man dem Arzt Zugang zu wichtigen Informationen ermöglicht. Das geht auch ohne elektronische Chipkarte. Wenn beispielsweise chronisch Kranke in der Brieftasche eine Liste der aktuellen Medikamente aufbewahren oder eine Kopie des Entlassungsbriefs vom letzten Krankenhausaufenthalt. Außerdem sollten chronisch Kranke mit ihrer Familie über eine Patientenverfügung sprechen, solange sie noch selber darüber entscheiden können (z. B. bei beginnender Demenz). Darin wird festegelegt, welche medizinische Versorgung gewünscht wird.

Welche Untersuchung ist tatsächlich sinnvoll?

Auch in finanzieller Hinsicht können - und müssen - Patienten mehr Entscheidungen treffen als früher. Denn Ärzte bieten zunehmend "individuelle Gesundheitsleistungen", kurz: Igel, an, die der Patient selbst bezahlen muss. Zu diesen Angeboten gehört natürlich eine umfassende Beratung. Der Mediziner sollte erkären, wieso eine bestimmte Untersuchung oder Behandlung im konkreten Fall sinnvoll ist, obwohl die Krankenkasse sie nicht zahlt. Ein guter Arzt nimmt sich Zeit, dies zu erläutern oder liefert entsprechendes Informationsmaterial.

Bei Kassenleistungen gilt: Man sollte die gleichen Untersuchungen nicht mehrfach durchführen lassen. Auch bei einem Arztwechsel können Röntgenaufnahmen und andere wichtige Daten vom Vorgänger eingeholt werden. Das spart dem Patienten und dem Arzt wertvolle Zeit.

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