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Schönheits-OPs: "Selfie-Dysmorphie": Wenn Menschen aussehen wollen wie ihr Filter-Ich

Große, runde Augen, eine winzige Nase und eine perfekte Haut: Instagram- und Snapchat-Filter liefern eine optimierte Version unseres Ichs. Das Problem: Die perfektionierte Scheinwelt schürt Unsicherheit - und bringt einige Menschen dazu, sich unters Messer legen zu wollen. 

Paris Hilton auf Instagram

Auch TV-Star Paris Hilton (37) nutzt Social Media-Filter - wie hier auf Instagram

Für ihre Freunde war Anika nur die Snapchat-Queen. 4000 Menschen folgten dem Account der jungen Londonerin auf dem Instant-Messaging-Dienst, bei dem es in erster Linie darum geht, Fotos zu versenden. Anika freute sich über ihren Ruhm, knipste täglich bis zu 25 Selfies und bearbeitete sie mit den vorinstallierten Filtern. Wahlweise verpasste sie sich Hundeohren oder eine Blumenkrone. Und freute sich über einen Nebeneffekt: Die Spaß-Filter ließen den Höcker auf ihrer Nase verschwinden. Über den ärgerte sie sich schon seit langem.

Doch dann begannen die Probleme. Manchmal schlugen ihre Follower vor, sich persönlich zu treffen. Anika war verunsichert. "Ich dachte mir immer, ich müsse wie mein Selfie aussehen", berichtet sie im "Guardian". In der Öffentlichkeit setzte sich die junge Frau immer so hin, dass ihre Nase nicht von der Seite zu sehen war. Und sie begann zu recherchieren. Nach Schönheits-Chrirurgen, die bereit waren, den kleinen Höcker auf ihrer Nase zu entfernen. Zu dieser Zeit war sie gerade einmal 20 Jahre alt.

Anikas Geschichte steht stellvertretend für ein neuartiges Phänomen: Früher brachten Patienten Fotos von Stars mit in die Klinik, wollten deren Nase oder Kinn. Heute sind es vielmehr Fotos von ihnen selbst - bearbeitet mit Snapchat-Filtern oder der Bildbearbeitungs-App Facetune, berichtet der britische Schönheits-Chirurg Tijion Esho. Er prägte auch den umgangssprachlichen Begriff der "Snapchat Dysmorphie". Worum handelt es sich dabei genau?

Der Begriff leitet sich von einer Dysmorphobie ab. Betroffene Personen nehmen sich dabei als hässlich oder entstellt wahr. Es handelt sich um eine psychische Erkrankung, bei der die Gedanken zu Beginn oft nur um eine Körperregion kreisen, zum Beispiel Haut, Haare oder Nase. Betroffene beschäftigen sich oft stundenlang mit vermeintlichen Makeln, die objektiv nicht als solche zu erkennen sind. Weil eine körperdysmorphe Störung von Depressionen begleitet werden kann, sollte sie behandelt werden. Therapie der Wahl ist zunächst eine Verhaltenstherapie. 

Unklar ist, ob Selfies und Snapchat-Filter eine Dysmorphobie auslösen können. Eine Untersuchung im US-Fachblatt "JAMA Facial Plastic Surgery" deutet in diese Richtung. Bewiesen ist das aber noch nicht. So könnte es sein, dass die Filter zwar Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper auslösen - letztlich aber keine Erkrankung. Im Zweifel sollten die Symptome unbedingt mit einem Arzt besprochen werden. Das gilt vor allem dann, wenn Patienten unter ihren vermeintlichen Schönheitsmakeln leiden, sich zurückziehen und in ihrem Alltag einschränken.

"Einzelfälle aus der Generation Selfie"

Auf Nachfrage bestätigt die "Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie", dass es auch hierzulande Patienten gibt, die aufgrund von Filtern unzufrieden mit ihrem Äußeren sind. "Unsere Ärzte haben tatsächlich immer häufiger Interessenten, die aufgrund von Instagram-Bildern ihr Äußeres dem für sie vermeintlichen Idealbild anpassen wollen oder aber einen vermeintlichen Makel auf Fotos oder Selfies bei sich festgestellt haben", bestätigt eine Sprecherin gegenüber dem stern. Allerdings handele es sich dabei eher um "Einzelfälle aus der Generation Selfie". 

Bei den Wünschen von Patienten stehe eine umfassende Beratung im Vordergrund, erklärt die Sprecherin weiter. Dabei soll unter anderem die Frage geklärt werden, ob der Eingriff tatsächlich notwendig sei. "Bei unrealistischen Vorstellungen werden Behandlungen auch abgelehnt."

Auch Anika ließ sich bei einem Schönheitschirurgen in Großbritannien beraten. Sie zeigte dem Arzt eines ihrer Videos mit Snapchat-Filter. Besonders gut gefiel sie sich mit einem Filter, der ihr Gesicht alienhaft wirken ließ. "Ich dachte mir: 'Das sieht toll aus, meine Nase wirkt so viel kleiner'." Der Arzt erzählte ihr, dass er ihre Nase dafür operieren müsse und bat Anika, einen neuen Gesprächstermin zusammen mit ihrer Mutter zu vereinbaren. 

Anika nahm sich daraufhin ein Jahr Zeit, ihre OP-Pläne zu überdenken. Sie entschied sich schließlich für einen kleineren Eingriff und ließ sich die Nase mit Hyaluronsäure aufspritzen. Dadurch wirkt der Nasenrücken im Profil gerader, wenn auch nur vorübergehend. Nach rund einem Jahr ist die Hyaluronsäure abgebaut - Anika will den Eingriff dann wiederholen lassen. "Ich glaube, ich brauchte das einfach um mich innerlich zu verändern. Damit ich damit aufhören konnte, nach Perfektion zu suchen", sagt sie rückblickend.

Ihr Snapchat-Profil hat sie mittlerweile gelöscht.

Quellen:

The GuardianDeutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) / Ärzteblatt 

ikr
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(