Sex-Tipps Frust aus, Lust an!


Liebe kann man nicht kaufen, lehrte Paul McCartney schon 1964. Hilfreiches für schönen Sex gibt es dagegen in Apotheke, Internet und Praxis: Das Spektrum reicht vom Sprühfläschchen bis zur Psychotherapie. Was ist gut, und wem nützt was?

Zwar zankt die Fachwelt ausdauernd darüber, ob sexuelle Unlust besser biochemisch oder psychotherapeutisch zu behandeln sei. Einige allgemeine Empfehlungen aber sind unumstritten: Mediziner raten, mehr Sport zu treiben und eventuelles Übergewicht abzubauen, um aktiver und attraktiver zu werden. Psychologen empfehlen, sich auf die Macht von Bildern einzulassen: einen Porno schauen, ein erotisches Buch lesen - das könne die Fantasie und damit das Liebesleben ankurbeln.

Für Männer und Frauen Für ernstere Fälle: Sexualtherapie

Eine Sexualtherapie ist eine längerfristige psychotherapeutische Behandlung mit bis zu 25 Sitzungen. Die Therapie ist nötig, wenn sich sexuelle Probleme wie Lustlosigkeit, Vaginismus (schmerzhafter Scheidenkrampf) oder Erektionsstörungen durch praktische Verhaltenstipps und einfache Beratungen nicht lösen lassen. Studien zeigen, dass diese in Deutschland noch junge Therapieform bei zwei Dritteln der Paare zum Erfolg führt. Die Krankenkassen bezahlen eine Sexualtherapie, wenn die Störung zu Depressionen oder anderen schwerwiegenden psychischen Erkrankungen zu führen droht. Eine ausführliche Liste mit ausgebildeten Sexualtherapeuten, nach Bundesländern geordnet, bietet die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung e. V. auf ihrer Internetseite an: www.dgfs.info

Onlineberatung bei Sexkummer

Sexuelle Frustration entsteht häufig dadurch, dass die Partner ihre erotischen Vorlieben nicht auszusprechen wagen. Psychologen der Universität Göttingen haben deshalb einen Fragebogen zu 200 sexuellen Aktivitäten entwickelt, den Mann und Frau getrennt voneinander am Computer ausfüllen. Aus den Antworten ergibt sich für jeden Partner, was er sich wünscht und welche Wünsche des anderen er erfüllen möchte. Die Wirksamkeit dieser Kommunikationshilfe wurde in zwei Studien mit insgesamt 400 Paaren belegt. Mehr als 65 Prozent der Männer und Frauen gaben an, dass ihre sexuelle Zufriedenheit deutlich gestiegen sei. Einen ähnlichen Fragebogen gibt es auch zum Thema "Mehr Lust". www.theratalk.de (Onlinemodule "Sexuelle Wünsche" und "Mehr Lust") Preis: 12,50 Euro pro Person Zeitaufwand: etwa 70 Minuten

Spielen und lernen: Toys

Die Zeiten, in denen erotische Spielzeuge Schmuddelschrott aus asiatischen Hinterhöfen waren, ist vorüber: Experimentierfreudige finden mittlerweile hübsch gestaltete Werkzeuge aus Naturlatex, frei von Giftstoffen und Weichmachern; Gleit- mittel gibt es mit TÜV- und "Öko-Test"- Empfehlung, und spezielle Erotikläden für Frauen bieten Sicherheit vor Begegnungen der peinlichen Art. Die groß­artigste Erfindung für Paare oder Selbsterforscher aber ist das Internet - wer ausprobieren möchte, ob der Gebrauch von nicht am Körper festgewachsenen Geschlechtsteilen seine Sache ist, kann dort rote-Ohren-frei einkaufen gehen. Tests und differenzierte Warenkunde finden sich dort ebenfalls: Beim letzten "Öko-Test"-Vibrator-Test gab es siebenmal "sehr gut", aber auch zehn "ungenügend".

Lockmittel der Liebe

Noch haben Forscher die menschlichen Pheromone nicht identifiziert, jene Geruchsbotenstoffe, die dem Gehirn signalisieren: Zeit für Sex! Parfümhersteller setzen auf tierischen Ersatz und mischen etwa Pheromone von der Zibetkatze oder von Schweinen in ihre Düfte; auch Moschus enthält pheromonähnliche Stoffe. Insgesamt ist die Wirkung derart angereicherter Parfüme zweifelhaft. Fest steht auch ohne Großstudien: Gut zu riechen schadet bei der Suche nach mehr Lust nie.

Für Männer Viagra, Cialis, Levitra

Alle drei Potenzstärker haben den gleichen grundsätzlichen Wirkmechanismus - sie verhindern, dass gestautes Blut aus den Schwellkörpern entweicht. Prinzipiell und mit akzeptablem Nebenwirkungsrisiko erfüllen sie diese Aufgabe dann, wenn die "Erektile Dysfunktion" organisch oder altersbedingt ist. Statt bei ersten Sorgen schnell (und illegal) im Internet einzukaufen, sollte man eine ärztliche Untersuchung in Anspruch nehmen. Denn die Erektile Dysfunktion, also Impotenz, kann verschiedene Ursachen haben, darunter psychische Blockaden, aber auch ernste Krankheiten (zum Beispiel des Gefäßsystems). Ob eine psychische Problematik im Vordergrund steht, kann der Arzt übrigens am schlafenden Mann feststellen - ist er sonst physisch gesund, bekommt der Mann dann durchaus Erektionen. Hier wird der Mediziner eine Sexualtherapie empfehlen (siehe oben). Ansonsten gilt: Die weitaus meisten Erschlafften können erfolgreich behandelt werden, teilweise allerdings mit radikaleren Maß nahmen als Pillen, zum Beispiel einer Spritze, die Männer sich direkt vor dem Sex in den Schwellkörper setzen.

Für Frauen Kraft hilft: Beckenbodentraining

Die Muskulatur des Beckenbodens führt vom Schambein zum Steißbein und stützt die Organe des unteren Bauchraums (Gebärmutter, Blase, Darm). Trainierte Beckenbodenmuskeln erhöhen das sexuelle Lustempfinden und helfen außerdem, Blasenschwäche, Rückenschmerzen und Gebärmuttersenkung vorzubeugen. So lässt sich der Beckenboden trainieren: Spannen Sie die Muskulatur an, indem Sie sich vorstellen, auf der Toilette den Urinstrahl zu unterbrechen. Achten Sie darauf, die Gesäßmuskeln dabei locker zu lassen. Das Training funktioniert sitzend oder im Stehen, am besten einmal täglich für wenige Minuten.

Lust durch Nasenspray?

Eigentlich sollte der Wirkstoff Melanotan die Probanden nur vor Sonnenbrand schützen - doch das künstliche Hormon machte ihnen zugleich mehr Lust auf Sex. Ein amerikanisches Pharma-Unternehmen isolierte die luststeigernde Wirkung und entwickelte das Nasenspray PT-141. Versuche an Ratten und später an Menschen nährten Hoffnungen, das Mittel, das direkt aufs Gehirn wirkte, würde eine Art "Viagra für Frauen". Im vergangenen Jahr verweigerte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA weitere Studien: Es hatte Hinweise gegeben, PT-141 könnte einen lebensbedrohlichen Blutdruckanstieg verursachen. Im Mai dieses Jahres wurden die Forschungen eingestellt.

Viagra für Frauen?

Während Viagra bei Männern funktioniert, kann der Wirkstoff der blauen Pille Frauen mit sexuellen Störungen nicht helfen; das ergaben Studien mit etwa 3000 Teilnehmerinnen. Der Grund: Funktioniert der Sex bei Frauen nicht, hat das eher seelische Ursachen als körperliche - weshalb Erektionsmittel wie Viagra nichts nützen, die auf eine verlängerte starke Durchblutung der Geschlechtsorgane zielen.

Vaginal-Östrogen-Creme

Bei Frauen werden in den Wechseljahren die Schleimhäute im Genitalbereich dünner und trockener. Das kann zu Juckreiz, Brennen und Schmerzen beim Sex führen. Beim Geschlechtsverkehr dauert es zudem länger, bis die Scheide feucht wird. Experten empfehlen Östrogen-Creme zum Auftragen auf und in die Scheide: Sie nimmt das Trockenheitsgefühl in der Vagina. Anders als eine Hormontherapie, die oftmals in den Wechseljahren gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche verschrieben wird und die zum Beispiel in Tablettenform oder als Pflaster verabreicht wird, hat dieses Präparat keine systemischen Nebenwirkungen.

Aphrodisiaka aus der Natur

Austern, Trüffel, Fenchel, Eier, Zimt, Nelken, Kardamom - die Liste vermeintlich luststeigernder Lebensmittel ist lang. Eindeutig nachgewiesen wurde eine solche Wirkung für keinen Naturstoff. Dokumentiert sind dagegen negative Folgen des Glaubens an derlei Wundermittel: Bedrohte Tierarten werden weiter dezimiert, weil etwa Eier der Meeresschildkröte, Rhinozeroshorn, Tigerpenis und Schlangenblut die Potenz steigern sollen. Und auch für Menschen kann die Hoffnung auf natürliche Anregung gefährlich werden: Extrem hoch dosiert, sind pflanz- liche Aphrodisiaka wie Alraune und Engelstrompete tödlich - wie auch die "Spanische Fliege", ein Pulver aus dem Körper des gleichnamigen Käfers.

Helen Bömelburg, Anika Geisler, Christoph Koch, Kathrin Wanke

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