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"Allens bliwwt bin ollen": 200. Geburtstag von Dichter Fritz Reuter

Er brachte das Plattdeutsche in die Literatur ein und beschrieb das Leben einfacher Leute im 19. Jahrhundert wie kein Zweiter: Der Dichter Fritz Reuter wurde vor 200 Jahren geboren. "Allens bliwwt bin ollen" war sein Motto: Alles bleibt beim Alten.

Er schrieb sozialkritische Werke wie "Kein Hüsung" (Kein Zuhause), aber zum echten Markenzeichen wurde sein Humor - vor 200 Jahren (7. November 1810) wurde Fritz Reuter, der bekannteste niederdeutsche Schriftsteller, geboren. "In der deutschsprachigen Literatur ist der Kreis der Humoristen von Rang sehr überschaubar, Reuter gehört auf jeden Fall dazu", sagt der Germanist Joachim Rickes vom Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität Berlin.

Reuter wurde in Stavenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) als Sohn des Bürgermeisters geboren, war ein mittelmäßiger Schüler und lag lange mit seinem Vater im Streit. Nach der Rebellion im Studium in Jena, wo er sich den damals verfolgten Burschenschaften anschloss, wurde er 1833 in Berlin verhaftet. "Die schlimmste Zeit seines Lebens", sagt Rickes. Sieben Jahre saß Reuter in Haft, kam 1840 wieder frei und begann als "Strom" (Volontär) auf einem Gutshof in Demzin unweit von Stavenhagen. Dort lernte Reuter seine Louise als Hausmädchen kennen, heiratete sie 1851 und begann zu schreiben.

Als sein Hauptwerk gilt das 712 Seiten starke Werk "Ut mine Stromtid" (Das Leben auf dem Lande), das von 1862 bis 1864 entstand und die Ereignisse in Mecklenburg zwischen 1828 und 1848 anschaulich und mit viel Humor beschreibt. Bekannte Reuter-Werke sind zudem "Ut de Franzosentid" (Aus der Franzosenzeit), "Abendteuer des Entspekter Bräsig" (Abenteuer des Inspektors Bräsig), "Dörchläuchting" (Durchlaucht) und "De Urgeschicht von Meckelnborg" (Die Urgeschichte Mecklenburgs).

"Er gehört zu den meistgelesenen Dichtern seiner Zeit", erklärt Cornelia Nenz, Leiterin des Museums in Reuters Geburtshaus in Stavenhagen. Am meisten schrieb der Dichter, als er in Neubrandenburg und später in Eisenach wohnte, wo ebenfalls ein Museum an ihn erinnert.

Reuter habe die schlimmen Erfahrungen in der Haft mit Humor verarbeitet, sagt Rickes. "Nach der neueren Forschung ist er damit ein Sonderfall in der deutschen Literatur: Reuter verwandelt Leiden in menschenfreundliches Lachen", erklärt der Wissenschaftler, der seinen Studenten auch immer einige "Läuschen" (Anekdoten) Reuters nahebringt. Für ihn steht Reuter, der 1874 in Eisenach starb, "in einer Reihe mit Gottfried Keller, Thomas Mann und Daniel Kehlmann".

Besonders bekannt wurde Reuters Motto "Allens bliwwt bin ollen" (Alles bleibt beim Alten), das auch für die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag gilt. Der Festempfang am 7. November in Stavenhagen soll der Höhepunkt des Jahres unter dem Motto "Reuter 200!" sein.

Winfried Wagner, DPA / DPA
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