HOME

"Playboy - The Complete Centerfolds": Freundlich nackt

Marylin Monroe war die Erste, die sich für das Playboy "Centerfold", das große Poster in der Heftmitte, ablichten ließ. Nun ist ein Buch mit den Ausklapppostern der letzten Jahre erschienen.

Von David Scherf

Klar, Frauen hatten schon Spaß daran, Männer zu locken, bevor Hugh Hefner 1953 sein Magazin gründete. Neu am "Playboy" war allerdings, dass die abgebildeten Frauen nicht nach Prostitution aussahen wie in anderen Magazinen, sondern wie die verführerische Nachbarin. Männer, so erklärte Hefner einmal, würden solche Frauen besonders gerne mögen: selbstbewusst, nicht unterwürfig, aber vor allem nicht zu dominant. Freundlich nackt eben. Und so blinzeln die braven Damen auch über 625 Seiten dem Betrachter des gerade erschienen Sammelbandes "Complete Centerfolds" immer leicht lächelnd in die Augen.

Alles fängt 1952 an. Der 25-jährige Hugh Hefner arbeitet als Werbetexter für das US-Männermagazin "Esquire". Als ihm eine Lohnerhöhung von fünf Dollar verweigert wird, beschließt Hefner, den Traum vom eigenen Männer-Magazin wahr werden zu lassen. Er verkauft seine Möbel, borgt sich Geld und bringt im Dezember 1953 die erste Ausgabe des "Playboy" auf den Markt, zum Preis von 50 Cent - heute zahlen Sammler für ein gut erhaltenes Exemplar mehr als 5000 Dollar.

Es ist zugleich die Geburtsstunde des Centerfolds, jenes länglichen Posters in der Heftmitte, das so perfekt in den Umkleidespind passt. Bis heute sucht Hefner persönlich das "Playmate des Monats" aus, welches dann den Centerfold schmücken darf. Aus den zwölf Postern eines Jahres wird dann das "Playmate of the Year" gewählt. Das erste Centerfold zierte Marilyn Monroe, die damals gerade ihren Durchbruch als Schauspielerin geschafft hatte. Monroe sollte zu einer Ikone der Sexualität werden, eine glückliche Fügung für den "Playboy".

Nun hat der "Playboy" alle 625 Centerfolds der vergangenen Jahre in einem Sammelband zusammengefasst. Ergänzt durch Texte von Schriftstellern wie Robert Coover, Paul Theroux und Jay McInerney, welche die unterschiedlichen Jahrzehnte der Centerfolds unterhaltsam und mit Blick für das Typische der jeweiligen Ära einleiten. Zum Beispiel, dass die Playmates der 60er Jahre schon deutlich schlanker sind und lässiger posen als die noch etwas scheuen, dafür pralleren Models der 50er mit ihren "Stundenglas-Figuren".

Während in den 70er Jahren das Playmate gern engelsgleich in ein Meer aus blonden Locken und weichem Gegenlicht gebettet wird, wirken die 80er aggressiver, mit spitz auftoupierten Mähnen. Die Centerfolds der 90er sind ein Hin und Her zwischen neonfarbenem Dress und Spitzenhöschen. Stemmten die Models zehn Jahre zuvor noch Gewichte, spielen sie jetzt genussvoll Schach, Golf, Baseball oder Billard. Die neue Gediegenheit, nur halt nackt.

Unter den Playmates der 90er Jahre ist auch die damals 22-jährige, noch unbekannte Pamela Anderson. Noch mit deutlicher weniger Oberweite als heute. Ende des Jahrtausends ist dann die Ganzkörperrasur das auffälligste Stilmerkmal der Playmates.

Große Fotokunst darf bei den "Complete Centerfolds" keiner erwarten. Der Band ist ein Daumenkino des Softcore-Journalismus, so sehr ähneln sich Posen und Ausschnitte der Bilder. Die Stars vor und hinter der Kamera präsentierten sich gerne im "Playboy", für das Ausklapp-Poster in der Heftmitte waren sie sich allesamt zu schade. Nastassja Kinski, Cindy Crawford, Katarina Witt und Co. sucht man vergebens, auch Helmut Newton, Herb Ritts und Sante D'Orazio, die alle schon für den "Playboy" arbeiteten, haben nie Centerfolds fotografiert. Das blieb den "Playboy"-Hausfotografen vorbehalten wie Arne Freytag und Stephen Wayda, die über Jahrzehnte die Playmates auf Zebrafellen, rotem Samt oder, recht nahe liegend, direkt aufs Bett drapierten. Aber bei den Centerfolds geht es auch nicht um künstlerische Inszenierung, sondern ganz einfach um nackte Tatsachen.

Das Buch zeigt die Entwicklung von der Misses zur unabhängigen Frau. Von den anfänglichen noch unerfahrenen Posen zu einem Selbstbewusstsein, das die weiblichen Reize ausspielt. Auch das Männerbild hat der "Playboy" verändert. Der Kunstkritiker Dick Hickey schreibt in seiner Einleitung: "Onkel Hef gab einem die Erlaubnis, ohne Schuldgefühle auf die Titten zu starren, die man ohnehin schon angestarrt hatte, aber nicht wie ein Tier, ein Hinderwäldler, sondern wie ein weltgewandter Mann, ein Kenner schöner Frauen, guten Weins und eleganter Lederkleidung."

Themen in diesem Artikel