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"Todesstoß": Karen Rose jagt Serienkiller

Eine verletzliche Frau und ein wahnsinniger Serienkiller stehen sich im neuen Thriller von Karen Rose gegenüber. Über 600 Seiten bleibt es offen, ob der Mörder dingfest gemacht werden kann, bevor er seiner Widersacherin den "Todesstoß" versetzt.

Die These, Frauen seien die sanftmütigeren Wesen, wird von weiblichen Krimiautoren immer wieder widerlegt: Wenn sie mit zarter Hand zur Feder greifen, geht es zumeist alles andere als zimperlich zu. Karen Rose aus Florida etwa beschreibt auch in ihrem neuesten Thriller "Todesstoß" äußerst bestialische Szenen, und dies, obwohl sie sich selbst als warmherzige Frau beschreibt. Offenbar wird das vom Publikum gewünscht: Ihr Buch hat sich in kürzester Zeit an die Spitze der Bestsellerlisten katapultiert.

Stand in ihrer Trilogie "Todesschrei", "Todesbräute" und "Todesspiele" noch die Ermittlerfamilie Vartanian im Mittelpunkt, so bringt Rose nun die mehrfach traumatisierte Eve Wilson und den ebenso vom Schicksal gebeutelten Polizisten Noah Webster zusammen. Weit über 600 Seiten lang versuchen die Beiden, einem pathologischen Serienmörder mit erheblichem sadistischen Potenzial das Handwerk zu legen.

Von Narben gezeichnet

Eve studiert Psychologie und jobbt in einer Bar. Ihr Gesicht und ihr Körper sind von Narben gezeichnet, Erinnerungen an einen Jahre zurückliegenden Überfall, der sie fast das Leben gekostet hätte. Doch die junge Frau schleppt noch mehr mit sich herum, wurde sie doch auch noch von einer durchgeknallten Frau gekidnappt. Jahre hat sie gebraucht, um mit diesen Erlebnissen leben zu können. Jetzt arbeitet sie an der Uni an einem Forschungsprojekt über Suchtverhalten und kontrolliert, wie oft sich die Testpersonen aus der Realität in den virtuellen Raum "Shadowland" flüchten.

Als sechs ihrer Probandinnen auf grausame Weise ermordet werden, und darüber hinaus noch etliche andere Menschen, gerät Eve selbst ins Visier des Killers. Auch wenn Noah alles versucht, sie zu schützen, kann er doch nicht verhindern, dass seine Geliebte in die Fänge der Bestie gerät.

Klischees unterfordern Krimikenner

Rose macht es dem Leser leicht, der Handlung zu folgen, da, so schreibt ein Kritiker, "eine Verwechslung von Gut und Böse schier ausgeschlossen" scheint. Da die Erfolgsautorin so gut wie kein Klischee auslässt, schockieren selbst die drastischen Mordszenen kaum. Noahs gutaussehender Partner Jack erweist sich als leichtfertiger Weiberheld, und Eves Freunde sind an Selbstlosigkeit ebensowenig zu überbieten wie der Killer mit dem Mutterkomplex an Boshaftigkeit. Schließlich zeigt auch das heldenhafte Liebespaar keine moralischen Schwächen.

Allerdings verliert selbst der versierteste Krimikonsument schon mal die Übersicht über die Opfer, zumal sie wie am Fließband gemeuchelt werden. Wer ihr Mörder ist, das könnte er trotz Roses Bemühungen, ihn auf falsche Fährten zu locken, schon nach den ersten 200 Seiten erraten.

Gisela Ostwald/DPA / DPA
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