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80 Jahre Micky: Hier kommt die Maus

Micky Maus ist die berühmteste Zeichentrickfigur der Welt und hat sogar einen eigenen Stern auf Hollywoods Walk of Fame bekommen. Vor genau 80 Jahren feierte der kleine Kerl sein Leindwanddebüt.

Mit seiner liebenswerten, drolligen Art hat Micky Maus Generationen von Kinderherzen erobert. Die Abenteuer des Mäuserich mit den großen schwarzen Ohren und der frechen Stupsnase zogen über Jahrzehnte hinweg allerdings auch so manchen Erwachsenen in die Bann. Der kleine Kerl ist die berühmteste Zeichentrickfigur der Welt, er hat sogar einen eigenen Stern auf Hollywoods Walk of Fame. In Amerika ist er einer Umfrage zufolge mit 97 Prozent bekannter als der Weihnachtsmann. Am kommenden Dienstag feiert die Maus - wer hätte das gedacht! - ihren 80. Geburtstag: Mit "Steamboat Willie" war der erste Micky-Maus-Film am 18. November 1928 im New Yorker Colony-Theater über die Leinwand geflimmert.

Die Idee für die Figur hatte der legendäre Zeichentrick-Visionär Walt Disney bei einer Zugfahrt von New York nach Los Angeles. Ein Konkurrent hatte ihm gerade die Rechte für sein bis dahin erfolgreiches Comic-Kaninchen Oswald weggeschnappt. "Ich war also allein und hatte nichts", erzählte Disney später. "Aber ich hatte diese Maus im Hinterkopf. Eine Maus hat einen sympathischen Charakter, auch wenn sich die meisten Leute - einschließlich mir - etwas vor ihr fürchten." Den zunächst geplanten Namen Mortimer Mouse fand Disneys Frau Lillian allerdings zu altmodisch. So wurde der Mäuserich schließlich Mickey Mouse getauft - auf Deutsch: Micky Maus.

Der Start mit dem Kurzfilm "Steamboat Willie" war gleich ein ausgesprochener Glücksgriff. Disney und sein Zeichner Ub Iwerks hatten zwar schon zwei andere Mäuse-Filme fertig. Weil in der Zeit aber gerade der Tonfilm in Mode kam, ließ der Produzent mit dem untrüglichen Riecher für den Publikumsgeschmack die beiden ersten Werke wieder in der Schublade verschwinden und brachte einen dritten Streifen auf den Markt - mit eingängiger Musik und reichlich Krach unterlegt. Als aufmüpfiger Schiffsjunge, der mit seiner Freundin Minnie Maus knutscht und den Kapitän mit allerlei Schabernack nervt, beginnt Micky darin seine Kinokarriere.

Der Film ist der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Andere Studios können mit der Qualität und Technik nicht mithalten. Allein 1929 entstehen zwölf weitere Kurzfilme, innerhalb von zwei Jahrzehnten werden es 120. Die Kinozuschauer kaufen oft nur dann eine Karte, wenn Micky Maus als Vorfilm kommt. Oder sie bleiben nach dem Programm sitzen, um den Mäuserich ein zweites Mal zu sehen. Bald beginnt die Figur auch zu sprechen - Walt Disney leiht ihr für fast zwei Jahrzehnte seine Stimme. 1935 läuft der Film erstmals in Farbe. Schon drei Jahre zuvor war Disney für die Erschaffung der Supermaus mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet worden.

"Wenn die Leute über Micky Maus lachen, dann deshalb, weil er so menschlich ist. Das ist das Geheimnis seines Erfolgs", sagte der 1966 gestorbene Erfinder einmal. Vom anfänglichen Rotzlöffel wandelt sich die Figur zum Bilderbuchtalent. Micky kann einfach alles: Er ist Feuerwehrmann und Cowboy, Dirigent und Detektiv, Installateur und Erfinder. Mit von der Partie sind seine Verlobte Minnie, der müde Hund Pluto, Tollpatsch Goofy und Widersacher Kater Karlo. Schon 1930 entstehen neben den Filmen auch die bald legendären Comic-Strips. In Deutschland erscheint seit 1951 die Zeitschrift "Micky Maus", die mit der langjährigen Chefredakteurin und Übersetzerin Erika Fuchs Comic- Hefte bei uns salonfähig machte.

Dem Disney-Konzern hat der kleine Mäuserich einen Reichtum beschert, von dem selbst Dagobert Duck nur träumen kann. 1930 durfte gegen eine Gebühr von 300 Dollar erstmals ein Unternehmen eine Schulmappe mit der Maus bedrucken. Seither gibt es von der Unterhose bis zur Kaffeetasse kaum einen Gebrauchsgegenstand, der nicht mit dem Nagerdesign zu haben ist. In Hoch-Zeiten sollen Micky-Maus-Produkte dem Konzern mehr als die Hälfte seiner milliardenschweren Verkaufserlöse eingebracht haben. Kein Wunder, dass die Firma den Mäuserich zu ihrem Maskottchen kürte. Rund um die Welt werden die Besucher der Freizeitparks mit einem netten Pfotendruck begrüßt.

Doch auch eine Micky Maus kommt in die Jahre. In Zeiten von Internet-Hype und Computerspielen nimmt das Interesse am Mäuseleben spürbar ab. Die Zeichentrickfilme im Kino gibt es schon längst nicht mehr. Und das deutsche "Micky Maus"-Heft hat allein innerhalb eines Jahres mehr als ein Viertel seiner Auflage verloren. Uff, ächz, seufz. Da feiert es das Disney-Imperium vorsichtshalber lieber gar nicht erst, dass die Maus inzwischen älter ist als die meisten Großeltern der begeisterten Kinder. "Für uns ist er zeitlos. Er ist heute immer noch so jung wie am ersten Tag", heißt es in der kalifornischen Unterhaltungsschmiede kurz.

DPA / DPA