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Buch über Kontaktanzeigen: Im Schlafzimmer bin ich Oberstleutnant

Ein neues Buch versammelt skurrile Kontaktanzeigen. Eine herrliche Reise in die Abgründe zwischenmenschlicher Annäherungsversuche.

Von Kester Schlenz

Man sollte schon ehrlich sagen, was man sich von seinem zukünftigen Partner wünscht. Also, wer die Kontaktanzeige eines 41-jährigen Herren aus England beantworten will, weiß vorab, dass der Herr im Schlafzimmer "gerne als Oberstleutnant angesprochen" werden will. Das ist doch nicht zu viel verlangt. Zuviel Ehrlichkeit allerdings kann für die Partnerfindung wohl eher hinderlich sein: "Manisch depressiver, hässlicher, verzweifelter Jurastudent (27), der gerne Bach hört, sucht Sie zum Durchbrechen der sozialen Isolation", heißt es im Gesuch eines "Zeit"-Lesers. Nun, ja, bis auf Bach hat der junge Mann nicht wirklich viel zu bieten.

Beide Zitate stammen aus dem Buch "Suche Frau in anständigem Zustand - Die witzigsten Kontaktanzeigen der Welt" von Birgit Adam (Bastei Lübbe). Und auch wenn der Buchtitel wie eine dieser RTL-Hitparaden-Sendung klingt - die Autorin verspricht nicht zu viel. Sie hat Hunderte von Kontaktanzeigen aus Zeitungen, Magazinen oder dem Internet zusammen getragen, deren meist unfreiwilliger Witz wirklich umwerfend ist. Manche sind dreist, viele sehr offen, andere skurril und einige auch ein wenig traurig. Ausdenken kann man sich so etwas kaum. Das Leben schreibt halt die besten Gesuche. Wie dieses hier: "Einen Mann habe ich schon. Nun wünsche ich mir einen passenden Hausfreund, der mich nicht vereinnahmen will und als Ergänzung mit meinem Mann klar kommt."

Kernphysikerin oder nette, junge Frau gesucht

Anspruchsloser kommt eine Leserin der "Süddeutschen Zeitung" daher: "Als ich 30 war, mussten meine Partner jung schlank, groß, gut aussehend, reich und intelligent sein. Jetzt bin ich 64, und sie müssen nur noch lesen und telefonieren können." Da muss doch was gehen. Auch hier sieht es nicht allzu schlecht für den Inserenten aus: "Die Romantik ist tot, meine Mutter auch. Mann (42) reicher Erbe." Auf die Anzeige "Kernphysikerin oder nette, junge Frau gesucht" werden sich hingegen wohl nicht allzu viele Kernphysikerinnen melden.

Die vielen sexuellen Sonderwünsche wollen wir hier nicht werten. Warum soll nicht jeder Topf seinen passenden Deckel finden? Einzig der Ton in manchen Anzeigen könnte eine Terz netter sein. Die Anzeige "Suche Frau zum Poppen" lässt nicht wirklich auf einen eloquenten Feingeist schließen. "Suche junge Melkerin" soll wohl Sprachwitz zeigen, kommt allerdings auch eher schmierig rüber. Auch das schnöde Gesuch "Habe Viagra. Brauche Frau" wird nicht wirklich die romantische Ader vieler Damen ansprechen. Andere Anzeigen bestechen durch schonungslose Präzision: "Erstick mich mit Deinen Brüsten" formuliert klar, was dieser Herrn von seiner Traumfrau erwartet. Ebenso der detailsichere Text: "Mann sucht Frau (mehr als 150 Kilo), die sich auf ihn setzt und Doughnuts auf ihm zerquetscht."

Aber natürlich schreiben auch Damen, was sie wünschen - wenn auch meist abgeklärter als die Herren. "Frau sucht ehrlichen, schlanken Herren, sehr vermögend, Sex nicht notwendig", heißt es trocken in einer Anzeige in der "Süddeutschen Zeitung". Und eine andere Geschlechtsgenossin bringt in ihrer Anzeige einen der wohl größten Geschlechter-Gräben auf den Punkt: "Ich (60 J.) suche einen Mann, der denkt (mit dem Kopf)."