HOME

Buchmesse: Russische Krimis sind "in"

Bei russischer Literatur denkt die Mehrheit der Deutschen an Tolstoi oder Dostojewski. Doch gerade Kriminalromane erreichen auch im Ausland hohe Auflagen. Der Russland-Schwerpunkt auf der Buchmesse rückt sie in den Blickpunkt.

Bei russischer Literatur denkt die Mehrheit der Deutschen an Tolstoi oder Dostojewski, allenfalls noch an Alexander Solschenyzin. Nicht zuletzt deshalb will sich das Land auf der Frankfurter Buchmesse von einer "neuen Seite" zeigen: Präsentiert werden vor allem Bücher zeitgenössischer Schriftsteller wie Viktor Jerofejew oder Irina Denezkina. Die meisten sind hier zu Lande noch völlig unbekannt. Aber es gibt auch russische Autoren, die im In- und Ausland Bestsellerauflagen erreichen: Krimis aus Russland sind voll im Trend.

Alexandra Marinina Star unter den russischen Krimi-Autoren

Zu den bekanntesten Kriminalschriftstellerinnen des Landes gehört Alexandra Marinina. Auf dem deutschen Markt sind inzwischen neun Bücher erschienen, in denen ihre Protagonistin, die Moskauer Polizistin Anastasjia Kamenskaja, die Hauptrolle spielt. Anastasjia ist eine Frau mit Ecken und Kanten, sie verhehlt ihre Schwächen nicht, und sie hat stets um ihren Platz in der Hierarchie der Moskauer Kriminalpolizei zu kämpfen.

Die 1957 geborene Marinina kann aus eigenen Erfahrungen schöpfen: Die promovierte Juristin arbeitete 20 Jahre lang im Moskauer Juristischen Institut des Innenministeriums, zuletzt im Rang eines Oberstleutnants. Seit 1998 lebt sie ausschließlich vom Schreiben und gilt inzwischen als eine der erfolgreichsten russischen Autorinnen.

Krimiautorin Polina Daschkowa arbeitete für die Polizei

Ähnliches lässt sich auch vom zweiten Stern am russischen Krimi-Himmel sagen: Polina Daschkowa. Die 1960 geborene Schriftstellerin, die Literatur studiert hat, erstellt heute angeblich sogar für die Polizei psychologische Täterprofile. Sie kam per Zufall zur Schriftstellerei: Als Mutter zweier kleiner Kinder war es für sie schwierig, in ihren alten Beruf zurückzukehren. "Da wollte ich etwas schreiben, das es in dieser Form in Russland noch nicht gegeben hatte: Etwas voller Abenteuer, Dynamik und geheimnisvoller Verbrechen", sagte sie in einem Interview. "Ich erzählte meinem Mann und Freunden davon, und sie waren überrascht, dass es ein Krimi ist, und meinten, ich sei dafür als Dichterin zu intelligent." Von Daschkowa sind drei Romane in deutscher Übersetzung veröffentlicht worden.

Dialoge im Mittelpunkt bei Darja Donzowa

In Russland eine Berühmtheit, steht Darja Donzowa in Deutschland noch ein wenig im Schatten von Marinina und Daschkowa. Ihr Stil ist ein ganz anderer: Die in Moskau lebende Lehrerin für Deutsch und Französisch setzt weniger auf Spannung denn auf witzige Dialoge. Ihre Heldin Dascha ist eher unkonventionell, und so löst sie denn auch ihre Fälle. In deutscher Sprache liegen zwei Romane von Donzowa vor.

Anna Malyschewa ist der Jungstar

Erst 30 Jahre alt ist Anna Malyschewa, deren Roman „Tod in der Datscha“ kürzlich in Deutschland erschien. Es ihr erstes Buch auf dem hiesigen Markt. In Russland hat Malyschewa, die 1999 zur Krimiautorin des Jahres gekürt wurde und von sich sagt, sie habe aus Geldnot zu schreiben begonnen, weil die Mafia hinter ihr her gewesen sei, bereits mehr als 15 Bücher veröffentlicht.

Boris Akunin bleibt der Klassiker

Aber nicht nur Schriftstellerinnen aus Russland erreichen in Deutschland hohe Auflagen. Bestes Beispiel: Boris Akunin. Er habe seine ersten Krimis zur Entspannung geschrieben, sagte der 1956 geborene Philologe einmal. Akunin ist der „Vater“ dreier Krimi-Serien, von denen bisher aber nur eine in Deutschland populär ist: Die Geschichte von Erast Fandorin, die im Moskau des 19. Jahrhunderts spielt. Die darauf aufbauende Reihe über Nicholas Fandorin, Erasts Enkel, spielt in der heutigen Zeit, ist aber noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Von der „Schwester Pelagija“-Trilogie liegen erst zwei Bände in deutscher Sprache vor.

Susanne Gabriel