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GABRIEL GARCIA MARQUEZ: Der Herbst des Literaten

Literatur-Nobelpreisträger Gabriel García Màrquez wird 75. Bekannt wurde der Kolumbianer vor allem mit seinem Buch »Hundert Jahre Einsamkeit« aus dem Jahr 1967.

Als Gabriel García Màrquez 1967 seinen Roman »Hundert Jahre Einsamkeit« zu Ende geschrieben hatte, da reichte sein Geld nicht einmal für das volle Porto. Auf einem Postamt in Mexiko sah sich der kolumbianische Schriftsteller gezwungen, zunächst nur den ersten Teil des Manuskripts an seinen Verleger in Buenos Aires zu schicken und den zweiten Tage später folgen zu lassen. Doch kaum war das Buch erschienen, war sein Autor aller Geldsorgen ledig. Die Familiensaga aus dem Urwalddorf Macondo brachte ihm 1982 den Nobelpreis ein und machte die lateinamerikanische Literatur in der Welt bekannt. An diesem Mittwoch, 6. März, wird García Màrquez 75 Jahre alt.

Arbeit an Memoiren

Seinen Geburtstag wird »Gabo«, wie er daheim auch genannt wird, abgeschirmt von der Öffentlichkeit in Los Angeles verbringen. Von einer Krebserkrankung 1999 bereits gezeichnet, hat es der Literat, der mit seinem Lebenswerk längst Unsterblichkeit erlangt hat, eilig, seine Memoiren zu vollenden. Der erste Band soll unter dem Titel »Vivir para contarlo« (Leben, um davon zu erzählen) in Kürze erscheinen. Er erfasst die ersten 28 Lebensjahre des Autoren.

Erster Roman bereits 1955

Geboren wurde García Màrquez am 6. März 1927 in dem Dorf Aracataca, von dem viele annehmen, dass es für das mythische Macondo Pate stand. Als Kind träumte er davon, Zauberer zu werden, und später sollte er es tatsächlich schaffen, Millionen Leser in seinen Bann zu schlagen. Doch nach der Schule begann er zunächst ein Jura-Studium, um dann als Studienabbrecher eine Journalistenkarriere zu starten. Nach Reportagen und Filmkritiken veröffentlichte er schon 1955 mit »La hojarasca« (deutsch 1975, »Der Laubsturm«) seinen ersten Roman. Als literarische Vorbilder galten ihm der Argentinier Jorge Luis Borges (1899-1986) und der Amerikaner William Faulkner (1897-1962).

Der Durchbruch, der García Màrquez 1967 mit »Hundert Jahre Einsamkeit« gelang, trug auch entscheidend zum so genannten »Boom« bei, der Ausbreitung der lateinamerikanischen Literatur außerhalb des Subkontinents. So wie der Kolumbianer fanden bald auch andere Autoren in Europa ihre Leserschaft, wie etwa der Peruaner Mario Vargas Llosa, der Mexikaner Carlos Fuentes oder die Chilenin Isabel Allende - der manche Kritiker vorwarfen, mit ihrem »Geisterhaus« bei García Màrquez abgekupfert zu haben.

»Magischer Realismus«

Der Name García Màrquez war bald auch untrennbar mit dem Begriff des »Magischen Realismus« verbunden, einer Erzählweise, in der sich Realität und Phantasie, Tatsachen, Träume und bis ins Groteske übersteigerte Übertreibungen miteinander vermischen. So schwebt in »Hundert Jahre Einsamkeit« ein Mädchen schwerelos davon, während in »Der Herbst des Patriarchen« (1975, deutsch 1978) ein General, die Karikatur des lateinamerikanischen Diktators, sagenhafte 232 Jahre über sein Volk herrscht.

Reportage über eine Entführung

Zu den bekanntesten Werken des Kolumbianers zählen außerdem »Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt« (1961, deutsch 1976), »Chronik eines angekündigten Todes« (1981) und »Die Liebe in den Zeiten der Cholera« (1986, deutsch 1987). Mit seinem bisher letzten Buch, »Nachricht von einer Entführung« (1996), wechselte García Màrquez noch einmal ins Genre des Reporters, indem er minutiös die Entführung von zehn kolumbianischen Persönlichkeiten durch das Drogenkartell Pablo Escobars beschrieb.

Wie viele andere lateinamerikanische Literaten hat sich Garcia Marquez auch politisch engagiert. Aus seiner Freundschaft zu Kubas kommunistischem Führer Fidel Castro machte er nie ein Hehl. Zu seinen Freunden zählt aber auch der frühere US-Präsident und Bücherfreund Bill Clinton, für den García Màrquez in der Lewinsky-Affäre öffentlich Partei ergriff. Über sein eigenes Privatleben wurde über lange Jahre wenig bekannt. Sein Landsmann Dasso Saldívar, der zum 70. Geburtstag mit einer 600-Seiten-Biografie aufwartete, bezeichnete García Màrquez einmal als den »bekanntesten Unbekannten«.

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