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Google Doodle zu Franz Kafka: Der missverstandene Erzähler mit den rätselhaften Geschichten

Vieldeutig, rätselhaft, unergründlich: Attribute, die den Werken von Franz Kafka zugeschrieben werden - und die auch zum Wesen des Autors passen. Heute wäre Kafka 130 Jahre alt geworden.

Von Julia Holzapfel

Josef K. wird am Morgen seines 30. Geburtstages festgenommen und vor Gericht gestellt. Bis zu seiner Hinrichtung erfährt er nie den Grund der Anklage. Franz Kafkas "Der Prozess" spielt in einer grotesken und irrealen Welt, in der Grundrechte keine Geltung haben. Wie in den meisten seiner Werke lässt der Autor viel Raum für Interpretation. Er stellt Fragen, aber überlässt es dem Leser, Antworten zu finden.

Am 3. Juli 1883 kommt Franz Kafka als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmannes in Prag zur Welt. Er studiert dort ab 1901 Germanistik und Jura. Sein frühestes literarisches Werk, das bis heute erhalten ist, heißt "Beschreibung eines Kampfes" und stammt aus den Jahren 1904/05. Allerdings könnte Kafka bereits vorher Texte verfasst haben. Er vernichtete große Teile seiner frühen Werke, da sie mit seinen späteren künstlerischen Ansichten nicht mehr übereinstimmten.

Zwei Sprachen, viele Rollen

Nach Beendigung seines Studiums im Jahr 1906 arbeitet Kafka zunächst am Landesgericht Prag und später bei einer Versicherung. Seine Lebensrealität im Prag des beginnenden 20. Jahrhunderts findet aber kaum Eingang in seine Erzählungen und Romane. Stattdessen lässt er seine Geschichten in einer unwirklichen Atmosphäre ablaufen. Bis heute kennt der Duden das Wort "kafkaesk" als Beschreibung für eine Situation der Hilflosigkeit, die "auf rätselhafte Weise unheimlich, bedrohlich" wirkt - so wie die Situation des Josef K.

Die Rätselhaftigkeit und Vieldeutigkeit seiner Werke spiegelt Kafkas Leben wider. So sah er sich als missverstandenen Einzelgänger, nur die Schriftstellerkollegen Max Brod und Franz Werfel zählte er zu seinen engen Freunden. Zudem wird die breite Palette an Rollen, die er in seinem Leben spielen musste (Jude, Anwalt, Schriftsteller) heute für die literarische Vielschichtigkeit verantwortlich gemacht. Kafka gehörte zu den damals rund zehn Prozent Pragern, die Deutsch sprachen. Er schrieb zwar auf Deutsch, doch ist die Sprache auch ein Symbol für seine innere Zerrissenheit, wie er später in einem Brief beschreibt: "Deutsch ist meine Muttersprache, aber das Tschechische geht mir zu Herzen".

Das Buch als "Faustschlag auf den Schädel"

Seine vieldeutige Schreibweise verhindert, dass Kafka zeitlebens eine große Leserschaft findet. Das damalige Publikum kommt mit den Herausforderungen der Texte nicht zurecht. Literaturwissenschaftler vermuten, dass Kafka die Leser bewusst herausfordern wollte, um auf die Unruhe seiner Zeit hinzuweisen. Dazu passt auch eine Aussage des Autors, die auf seine eigenen literarischen Vorlieben Bezug nimmt: "Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen oder stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?"

Als er 1917 an Tuberkulose erkrankt, muss er seine beruflichen Tätigkeiten aufgeben. Sein letztes Lebensjahrzehnt war von zahlreichen Kuraufenthalten, unter anderem in Deutschland und Italien, geprägt. Beziehungen mit Frauen hält der Autor immer nur kurz aufrecht. Kafka stirbt 1924 im Alter von 40 Jahren an Kehlkopftuberkulose in einem Sanatorium in der Nähe von Wien. Sein literarischer Nachlass, den er per Testament zur Verbrennung bestimmt hatte, wurde nach seinem Tod von Max Brod veröffentlicht.

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