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J. K. Rowlings Krimi "Der Ruf des Kuckucks": Ein Mann für viele Bücher

Zauberlehrling Potter war gestern, Privatdetektiv Strike ist heute: J. K. Rowling hat unter einem Pseudonym mit "Der Ruf des Kuckucks" eine Figur geschaffen, die Potenzial für weitere Bücher hat.

Von Ulrike Klode

Kurzkritik:

Rowlings "Der Ruf des Kuckucks": an Krimiklassiker angelehnt, spannende Geschichte, stilistisch nichts Besonderes, Charaktere ausbaufähig.

Wer mehr wissen will:

Joanne K. Rowling hat mit der Harry-Potter-Reihe gezeigt, dass sie fesselnd erzählen kann. Natürlich ist "Der Ruf des Kuckucks" nicht mit Harry Potter vergleichbar - ein anderes Genre, viel weniger komplex. Aber eins gilt auch für dieses Buch: Rowling, die sich hinter dem Pseudonym Robert Galbraith verbirgt, kann spannende Geschichten spinnen. Es geht um den Tod eines erfolgreichen Models, ein Adoptivkind aus reichem Hause. Die Polizei sagt, es war Selbstmord, doch ein Verwandter ist anderer Meinung und engagiert einen Privatdetektiv.

Für diesen Krimi greift Rowling in den Baukasten für Klassiker und nimmt sich hier mal was und dort mal was. Cormoran Strike - ihre Hauptperson - ist ein Ex-Militärpolizist und hat in Afghanistan ein Bein verloren, ist hart im Nehmen, Typ Einzelgänger, raue Schale, hin und wieder schimmert ein weicher Kern auf. Ein Privatdetektiv für Freunde des hardboiled Krimis und ganz nach Dashiel Hammetts Geschmack. Rowling baut das Buch wie einen klassischen "Whodunit"-Fall auf: Am Anfang steht ein schweres Verbrechen, das im Laufe der Geschichte aufgeklärt wird. Und für den Schluss greift sie auf das altbekannte Muster zurück, dass der Ermittler dem Verdächtigen haarklein erklärt, wie dieser vorgegangen ist, um ihn aus der Reserve zu locken. In der Tradition vieler britischer Krimiautoren bleibt die Geschichte ziemlich unblutig - keine grausamen Psychopathen nach schwedischem Vorbild, keine zerstückelten Leichen, die en detail beschrieben werden.

Eine spannende Geschichte hat J. K. Rowling geliefert, doch stilistisch bietet das Buch - das hat es wieder mit der Harry-Potter-Reihe gemein - nichts Besonderes. Die Beschreibungen der Umgebungen und Charaktere sind mal zu detailgetreu, dann wieder so oberflächlich, dass man sich wenig darunter vorstellen kann. Allerdings geht das nie zu Lasten der Spannung: Dieses Buch will schnell gelesen werden, es gibt keinen Grund, sich lange mit der Sprache aufzuhalten.

Während die Handlung fortschreitet, wird man das Gefühl nicht los, dass die Autorin hier einen Grundstein für eine neue Reihe legt. Das Potenzial ist durchaus vorhanden: Privatdetektiv Strike hat eine interessante Vorgeschichte und ausreichend familiäre Konflikte zu bieten. Ihm stellt Rowling eine Assistentin zur Seite, die sein Gegenteil verkörpert: warmherzig, offen, noch etwas unbedarft. Außerdem können aus ihrer familiären Situation (ihr Zukünftiger hasst ihren Job) weitere Konflikte entstehen. Und genau so ist es: Kurz nachdem enthüllt wurde, dass J. K. Rowling hinter dem Pseudonym Robert Galbraith steckt, hat sie bestätigt, dass sie eine erste Fortsetzung gerade abgeschlossen habe, die 2014 erscheinen soll.

Zum Hintergrund:

Mitte Juli war bekannt geworden, dass sich hinter Robert Galbraith keine geringere Autorin als J. K. Rowling verbirgt. Das hat für großes Aufsehen gesorgt, denn - wenn man Rowling glauben darf - war keinesfalls geplant gewesen, dass ihr Name enthüllt wird. Das Buch - bereits im April erschienen - schoss innerhalb kürzester Zeit in den britischen Bestsellerlisten nach oben, der Amazon-Verkaufsrang verbesserte sich schlagartig. Diesen Erfolg hat Rowling ihrem Anwalt zu verdanken, der es seiner Frau erzählte, die es ihrer besten Freundin sagte, die wiederum ihren Mund nicht halten konnte. Bis zu dem Zeitpunkt hatten nur ausgewählte Menschen gewusst, dass die Harry-Potter-Erfinderin unter dem Namen Galbraith schreibt, entsprechend groß war die Enttäuschung bei Rowling, dass es nicht gelungen war, das Geheimnis zu wahren.

Auf der Robert-Galbraith-Website veröffentlichte Rowling ein paar Tage später, wie sie auf den Namen kam: Robert sei ihr Lieblingsmännername, weil sie Robert F. Kennedy verehre. Der Nachname Galbraith stamme noch aus ihrer Kindheit. Aus einem Grund, an den sie sich nicht mehr erinnern könne, habe sie als kleines Mädchen immer "Ella Galbraith" genannt werden wollen. Sie äußert sich auch dazu, warum sie sich für ein männliches Pseudonym entschieden hat: Sie habe ein Autoren-Ich erschaffen wollen, das so weit wie möglich von ihr entfernt ist. Einen Männernamen zu wählen, war daher naheliegend.

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