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Kontroverser Bestseller-Autor "Ikone für Hass und Transphobie" – Mitarbeiter kritisieren Verlag für neues Buch von Jordan Peterson

Jordan Peterson ist vor allem durch Interviewclips auf Youtube bekannt geworden
Jordan Peterson ist vor allem durch Interviewclips auf Youtube bekannt geworden
© Courtesy Everett Collection / Picture Alliance
Weil ihr Verlag das neue Buch des kanadischen Autors Jordan Peterson drucken wird, haben sich mehrere Mitarbeiter beschwert. Der Psychologe positioniert sich oft gegen die "politische Korrektheit", was ihm auch rechtsextreme Fans eingebracht hat. Der Konzern verteidigt die Entscheidung.

Penguin Random House in Kanada hat zahlreiche Beschwerden von seinen eigenen Mitarbeitern erhalten, weil der Verlag das neue Buch des kontroversen kanadischen Psychologen Jordan Peterson herausbringt. Das berichtet "Vice World News". Das neue Buch "Beyond Order: 12 More Rules for Life" wird im März 2021 in den USA und Nordamerika auf den Markt gebracht.

Dem Bericht zufolge lud der Verlag am Montag seine Mitarbeiter zu einer öffentlichen Diskussion zu dem Buch ein, nachdem sich zahlreiche Angestellte beschwert hatten. "Vice" sprach mit mehreren anonymen Mitarbeitern, denen zufolge die hausinterne Abteilung für Diversität und Inklusion mindestens 70 anonyme Nachrichten zu dem neuen Buch erhalten habe. Nur ein kleiner Teil davon habe sich für das neue Buch von Peterson ausgesprochen.

Jordan Peterson wurde im Internet weltbekannt

Der kanadische Psychologe und Bestseller-Autor wurde 2016 bekannt, weil er sich gegen ein eine kanadische Gesetzesänderung positionierte, die nach seiner Lesart Menschen verpflichten würde, Transpersonen mit denen von ihnen gewünschten Pronomen anzusprechen. Dies sei laut Peterson ein Angriff auf die Redefreiheit, weil es Menschen nicht untersage, gewisse Dinge zu sagen, sondern vorschreibe bestimmte Begriffe zu benutzen, die er als "ideologisch motiviert" sieht.

Er veröffentlichte danach ein sehr erfolgreiches Buch und betreibt einen Youtube-Kanal mit mehr als drei Millionen Followern. Große Bekanntheit erlangte er auch über mit ihm geführte Interviews, zum Beispiel durch den britischen TV-Sender Channel 4, die anschließend viral gingen. Durch seine Positionierung gegen "politische Korrektheit" und "radikale Linke" ist er auch in rechten und rechtsextremen Kreisen beliebt, hat sich jedoch wiederholt von solchen Menschen und Weltanschauungen distanziert.

Bereits sein vorangegangenes Buch "12 Rules for Life: An Antidote to Chaos" wurde von Penguin Random House verlegt und ist ein weltweiter Bestseller mit mehr als fünf  Millionen verkauften Exemplaren. Darin gibt der 58-Jährige vor allem Lebenstipps wie: "Sorge erst einmal dafür, dass dein Haus perfekt in Ordnung ist, bevor du rausgehst und die Welt kritisierst" oder "Mach dich gerade" (engl. Original  "stand up straight with your shoulders back").

Mitarbeiter: Peterson ist "Ikone für Hassrede, Transphobie"

"Vice" zitiert mehrere Mitarbeiter und ihre Bedenken gegenüber Petersons neuem Buch. "Er ist eine Ikone für Hassrede, Transphobie und die Überlegenheit der Weißen. Unabhängig von dem Inhalt seines Buches bin ich nicht stolz für eine Firma zu arbeiten, die ihn veröffentlicht", sagte demnach einer der Angestellten, der aus der LGBTQ-Community stamme. Ein weiterer berichtete, dass Menschen während der Versammlung am Montag "geweint haben, während sie berichteten, wie Jordan Peterson ihre Leben beeinflusst hätte". Der Vater eines der Angestellten sei durch Peterson radikalisiert worden.    

Eine Managerin des Verlags verteidigte Peterson laut "Vice" während des Meetings. Er habe "Millionen Menschen am Rande der Gesellschaft geholfen, die andernfalls von Alt-Right-Gruppierungen radikalisiert worden wären". Es sei dem Verlag wichtig, "verschiedenen Stimmen" eine Bühne zu geben.

Peterson selbst hat sich im vergangenen Jahr kaum in der Öffentlichkeit gezeigt und so gut wie keine Videos im Netz gepostet, weil er sich nach eigenen Angaben monatelang von den Folgen einer Bentazepam-Abhängigkeit erholen musste. Das Medikament wird vor allem bei Angst- und Panikstörungen eingesetzt. Seiner Tochter zufolge habe er dabei sogar zwischenzeitlich im Koma gelegen.

Hinweis: Penguin Random House gehört zur Bertelsmann, wie auch Gruner und Jahr, der Verlag, in dem der stern erscheint.

Quellen:Vice.com / Youtube

fin

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