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Katholische Kirche muss sparen Halbes-Aus für den "Rheinischen Merkur"


Die deutsche Zeitungslandschaft ist künftig um eine Farbe ärmer: Der "Rheinische Merkur" wird als eigenständige katholische Wochenzeitung eingestellt. Die Bischöfe wollen sich dadurch Millionen an Zuschüssen sparen.

Die katholische Kirche gibt ihre Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" auf. Das Blatt erscheint künftig nur noch als sechsseitige Beilage der "Zeit", dies aber auch nur für bisherige "Merkur"-Abonnenten. Die katholische Bischofskonferenz begründete den Schritt am Dienstag mit der gesunkenen Abonnentenzahl. Die Zeitung habe bisher einen jährlichen Zuschuss von 2,5 Millionen Euro erfordert.

Nur noch ein Teil des Mitarbeiterstabs kann weiterbeschäftigt werden. Dem Vernehmen nach geht es um "deutlich weniger als die Hälfte". Die Bistümer wollen sich aktiv darum bemühen, Ersatz- Arbeitsplätze zu finden. Zurzeit hat der "Merkur" 47 Mitarbeiter, etwa 20 davon im redaktionellen Bereich.

Unklar ist, wie sich die Restredaktion künftig finanzieren soll. Die Zuschüsse der Bistümer fallen weg, und die Gebühren, die die "Zeit" ab nächstes Jahr für die neue Beilage zahlt, dürften zur Finanzierung einer nennenswerten Redaktion kaum reichen. "Es geht nicht um einen Kauf, sondern um eine Kooperation", betonte eine "Zeit"-Sprecherin.

Das Aus für den "Merkur" in seiner bisherigen Form bedeute nicht, dass sich die katholische Kirche aus dem gesellschaftlichen Diskurs zurückziehen wolle, stellten die Bischöfe klar. "Die katholische Kirche wird für diesen Diskurs auf andere Medien setzen." Sie nannte unter anderem die Katholische Nachrichtenagentur (KNA). Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Michael Konken, kritisierte dagegen: "Mit der Reduktion des Rheinischen Merkurs von einer Wochenzeitung zu einer sechsseitigen Beilage verabschiedet sich die Bischofskonferenz von ihrem publizistischen Anspruch."

Der "Rheinische Merkur" galt zwar als entschieden konservativ, jedoch nicht immer als linientreu. Presseberichten zufolge sollen sich die Bischöfe und hier besonders der Kölner Erzbischof Joachim Meisner immer mal wieder über eine zu kritische Berichterstattung geärgert haben. Allerdings betont die Bischofskonferenz, dass allein wirtschaftliche Gründe zu dem Aus geführt hätten.

Der Verlag der national-konservativen Wochenzeitung "Junge Freiheit" bot der Bischofskonferenz Gespräche über eine Übernahme an. Der Chefredakteur Dieter Stein kritisierte, es sei ein "Skandal" dass konservative Leser nun an die "Zeit" ausgeliefert würden, die aus ihrer Gegnerschaft gegenüber der Kirche selten einen Hehl mache.

DPA DPA

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