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Lady Bitch Ray: "Keine Öko-Tussi wie Charlotte Roche"

Sie ist groß, schlank, hübsch, Akademikerin und - ganz im Zeitgeist - vorsätzlich vulgär. Eigentlich wollte die Hardcore-Rapperin Lady Bitch Ray keine Interviews mehr mit Frauen führen. Für den stern machte sie eine Ausnahme - und gab sich gewohnt derbe.

Von Gerda-Marie Schönfeld

Als die 27-jährige Deutschtürkin Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray neulich abends bei Schmidt & Pocher in der ARD zu Gast war, hielten die beiden Herren so deutlich Abstand, dass vermutet werden konnte: Hier herrschte Panik, die Dame könnte unversehens aus der Rolle fallen. Ist sie aber nicht. Denn bei Lady Bitch Ray geschieht nichts unversehens. Sie ist sehr bedacht auf ihr Image, trägt als Outfit eine eigene Kreation - vorne Dekolletee, hinten ein Hauch von Chiffon - und ist später, beim Interview in der Kölner Studiogarderobe, ein wenig enttäuscht über die kurze Zeit, die ihr Schmidt & Pocher eingeräumt haben.

Auf dem Tisch stehen Häppchen - "nehmen Sie, die müssen weg" - sie hat sich umgezogen und trägt nun ein braves Röckchen. Wenn man mit ihr spricht, ist sie schnell im Kopf und sehr konzentriert. Sie lacht gern, macht der Studio-Assistentin liebreizende Komplimente ("Fatma, das Mädchen mit dem schönsten Lächeln hier") und ist um eine lockere Stimmung bemüht, als sie ihre Definition einer "Bitch" erklärt: "Eine Bitch ist vulgär, frech, rotzig und intelligent. Sie tut Dinge, die bei Frauen gesellschaftlich tabuisiert sind, bei Männern aber stillschweigend akzeptiert werden. Eine Bitch steht zu ihrer vaginalen Selbstbestimmung."

Keine Attitüden, dafür ganz gespannte Aufmerksamkeit. Die Tochter türkischer Eltern, geboren in Bremen, schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit und weiß, dass sie eine ungewöhnliche Karriere hinter und vor sich hat - Doktorandin, Feministin, Dozentin an der Bremer Uni, Hardcore-Rapperin mit so obszönen Texten, dass man erstmal verschreckt den Kopfhörer beiseite legt.

Auch wenn Lady Bitch Ray Klartext spricht wie Charlotte Roche in "Feuchtgebiete", hält sie nicht viel vom Stil der Buchautorin: "Meine Philosophie: Vagina-Style, Pussy de luxe. Ich bin nicht so eine Öko-Tussi wie Charlotte Roche: untenrum nicht waschen, keine Achselhaare rasieren und so. Ich liebe ästhetische Weiblichkeit..."

Im Sommer kommt ihr erstes Album. Titel: "Aufklärung", nach Immanuel Kant. Ein "feuchtes, aufregendes Album", wie Lady Bitch Ray verrät. Natürlich gibt's da wieder ein bitchmäßig-intelligentes Doppelspiel. Das heißt Emmanuelle Cunt, und meint a) die Emmanuelle-Softpornos aus den siebziger Jahren mit der schönen eleganten Silvia Kristel und b) cunt, was wiederum vulgär-englisch für Vagina steht. Wirklich, ein schlaues Mädchen. Das ganze Interview mit Lady Bitch Ray lesen Sie im neuen stern.

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